Artenschutz : Auf dem richtigen Weg

Die Cites-Konferenz in Thailand hat kommerziell bedeutsame Arten wie Haie unter Schutz gestellt.

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Bedrohtes Raubtier. Der Hochsee-Weißflossenhai soll eine Chance bekommen. Foto: picture alliance / Masa Ushioda/
Bedrohtes Raubtier. Der Hochsee-Weißflossenhai soll eine Chance bekommen.Foto: picture alliance / Masa Ushioda/

Berlin - Zum 40. Geburtstag haben die nunmehr 178 Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens für 65 bedrohte Tier- und 144 bedrohte Pflanzenarten Handelsbeschränkungen beschlossen. „Es scheint, als habe eine neue Ära des Artenschutzes begonnen“, sagt die deutsche Delegationsleiterin Elsa Nickel. „Niemand stellt mehr die zwingende Notwendigkeit infrage, die natürliche Vielfalt zu schützen.“ Umweltverbände jubelten über den Ausgang der 16. Cites-Konferenz in Thailand. Sandra Altherr von Pro Wildlife sagte nach zehn Verhandlungstagen in Bangkok: „Abgesehen von der Niederlage für die Eisbären war dies die erfolgreichste Artenschutzkonferenz seit langem.“ Die USA hatten gemeinsam mit Russland versucht, Kanada in Zukunft daran zu hindern, jährlich etwa 600 Eisbären zum Abschuss freizugeben, um mit Krallen und Fellen zu handeln. Der Antrag scheiterte nach Einschätzung von Altherr vor allem an der Uneinigkeit der Europäischen Union. Dänemark, das bei Cites immer noch die Interessen des halbautonomen Inselstaats Grönland vertritt, stimmte gegen den Schutzantrag für die Eisbären. Die EU enthielt sich.

Dafür hat die Artenschutzkonferenz aber auf einem anderen Gebiet Fortschritte gemacht, die in den Jahren zuvor stets von Fischereinationen wie Japan und China verhindert worden waren. Fünf weitere Haiarten – der Heringshai, drei Hammerhaiarten und der Weißflossen-Hochseehai – sind in den sogenannten Anhang II der Konvention aufgenommen worden. Damit wird der Handel mit den Flossen und dem Fleisch der Tiere stark reglementiert und eingeschränkt. „Viele Staaten haben einfach die Nase voll von diesen Spielchen der Fischereinationen“, sagte Volker Homes vom WWF Deutschland. „Bislang hat immer die Ökonomie gesiegt, aber jetzt haben Vernunft und Naturschutz die Oberhand gewonnen.“ Auch Manta-Rochen sollen künftig einen besseren Schutz genießen, der Handel mit einer weiteren Rochenart wurde komplett verboten.

Mit dem besseren Schutz für Haie entwickelt sich Cites immer mehr zu einem echten Umweltabkommen. Als 1973 das Washingtoner Artenschutzabkommen begründet worden war, ging es vor allem darum, charismatische Tierarten wie die Elefanten, Löwen oder Tiger zu schützen. Umweltschützer aus den Industriestaaten haben ihre Regierungen erfolgreich dazu getrieben, den Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten aus Entwicklungsländern zu beschränken. Das war jedoch lange Zeit ein Umweltschutz auf Kosten anderer. Mit dem Schutz ökonomisch relevanter Fischarten wie den Haien ändert sich das langsam. Denn nun müssen Industriestaaten ihre wirtschaftlichen Interessen zugunsten des Überlebens von Haien zurückstellen. Das ist ein Umweltschutz, der nicht nur arme Menschen in Entwicklungsländern um ihre Einkommen bringt, sondern der strukturelle Veränderungen in der Fischereiindustrie nach sich ziehen wird. Im Gegensatz zu wolkigen Schutzvereinbarungen unter dem Dach der Weltagrar- und Fichereiorganisation FAO verfügt das Cites-Abkommen über Sanktionsmöglichkeiten. Das hat bei dieser Konferenz das westafrikanische Guinea zu spüren bekommen, das über Jahre Auflagen für den Handel mit Menschenaffen nicht nachgekommen war und nun vorläufig vollständig von jeglichem Handel mit Tier- und Pflanzenarten ausgeschlossen worden ist.

Nicht minder bemerkenswert ist der Beschluss, den Handel mit Tropenhölzern – Palisander, 48 Rosenholzarten und 83 Ebenholzarten – international zu beschränken. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen Unep hat in einer Studie ermittelt, dass zwischen 50 und 60 Prozent des Handels mit Tropenhölzern illegal ist. Rund 30 Milliarden Dollar im Jahr lassen sich mit illegal gefällten Edelhölzern verdienen. In das Geschäft sind Verbrechersyndikate verwickelt, die auch mit Drogen, Waffen oder Menschen handeln. Im Falle von Elfenbein sind sogar Milizen am Geschäft beteiligt wie die in Uganda entstandene, inzwischen aber zwischen der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo aktive LRA oder die somalische Islamistenmiliz Al Schabaab.

Die Cites-Staaten haben nun eine stärkere Bekämpfung dieser kriminellen Banden beschlossen. Die scheitert bisher aber nicht zuletzt an den unzureichenden Mitteln der internationalen Polizeibehörde Interpol, die seit Jahren auf milde Gaben seitens der Umweltverbände angewiesen ist.

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