Artenschutz : Kampf ums Elfenbein

Am Samstag beginnt in Doha die Artenschutzkonferenz – Experten warnen vor zunehmender Elefantenwilderei.

Isabel Krüger
Elfenbein
Sichergestellt. Im vergangenen August beschlagnahmten Zollbeamte am Flughafen von Bangkok Stoßzähne aus Uganda und Kenia im Wert...Foto: dpa

Berlin - Der illegale Handel mit Elfenbein hat im vergangenen Jahr einen Höchststand erreicht. Das meldet das „Elephant Trade Information System“ (Etis). Nachdem der weltweite illegale Handel mit Elfenbein seit 1989 zunächst rückläufig war, beobachten Tierschutzexperten seit sechs Jahren einen starken Anstieg der globalen Wilderei von Elefanten. Wenn sich ab diesem Samstag in Doha die 175 Mitgliedsstaaten zur Konferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens Cites versammeln, dann wird auch eine Untersuchung der Tierschutzexperten auf dem Tisch liegen, aus der sich die zunehmende Elefantenwilderei deutlich ablesen lässt. Die Untersuchung basiert auf 14 364 konfiszierten Elefantenprodukten in 85 Staaten seit 1989 – rund 2000 Fälle mehr als bei der vorhergehenden Erhebung 2007.

Experten sehen in dieser Entwicklung eine Folge des verstärkten Einflusses organisierter Kriminalität sowie der seit 1997 geltenden Ausnahme vom Handelsverbot für einige südafrikanische Staaten. Nun haben auch Tansania und Sambia bei der Artenschutzkonferenz den Antrag gestellt, den strengen Schutz ihrer Elefanten aufzuheben. Tierschutzverbände schlagen Alarm.

Eine Ursache für den starken Anstieg der Wilderei und des illegalen Handels sind die enger werdenden Handelsbeziehungen zwischen Afrika und Ostasien sowie die steigende Kaufkraft in China. Neben China gelten Thailand, Vietnam und Malaysia als größte Schwarzmärkte für Elfenbein. „China ist das Schlüsselland für den Aufwärtstrend“, sagt Tom Milliken, Elefantenexperte des World Wide Fund for Nature (WWF) und Leiter des Etis-Programms. Die meisten Verbindungen im weltweiten illegalen Handel gingen auf China zurück. „China selbst gab 2008 und 2009 51 Fälle von Elfenbeinbeschlagnahmungen an, war aber in 120 weiteren Fällen weltweit direkt verwickelt“, berichtet Milliken. Inzwischen leben viele Chinesen in Afrika, und einige von ihnen sind in die illegale Versorgung ihrer Heimat mit Elfenbein verwickelt.

Überall dort werden Aufträge zu illegalen Abschüssen gegeben, wo die Korruption groß ist, die Gesetze schlecht durchgesetzt werden und die Aufsicht schwach ist. Beispiele dafür sind die Demokratische Republik Kongo, Kamerun oder Nigeria. Ob es auch einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Wilderei und den Lagerverkäufen von Stoßzähnen aus einigen südafrikanischen Staaten in den Jahren 1999 und 2008 an Japan und China gibt, ist unter Experten umstritten. Die Lagerverkäufe gehen auf die teilweise Aufhebung des Elfenbein-Handelsverbots für Südafrika, Botswana, Namibia und Simbabwe Ende der neunziger Jahre zurück. „Der gelockerte Handel und die Freigabe von gelagertem Elfenbein hat vor allem die Nachfrage in Asien erhöht und die Wilderei angetrieben“, ist Peter Püschel, internationaler Programmdirektor für Wildtierhandel des International Fund for Animal Welfare (IFAW), überzeugt. Stefan Ziegler, Artenschutzexperte des WWF, weist dagegen auf die massive Erholung der Elefantenbestände in den südafrikanischen Ländern hin, die beim Elfenbeinhandel einen Sonderstatus genießen: „Diese Länder haben ein so gutes Management, dass sie seit den siebziger Jahren und bis heute die höchste Elefantenpopulation in ganz Afrika haben.“

Die Einnahmen aus den Sonderverkäufen sollen Südafrika, Botswana, Namibia und Simbabwe wieder in den Tier- und Naturschutz investieren. Dietrich Jelden, Abteilungsleiter des Artenschutzvollzugs beim Bundesamt für Naturschutz (BfN), sieht das kritisch: „Wir haben keinen Einblick in diesen Geldfluss. Simbabwe hat angegeben, von dem Geld neue Jeeps gekauft zu haben.“ Es sei allerdings fraglich, ob die Jeeps für Patrouillenfahrten in Nationalparks oder für die dortige Regierung genutzt würden. Auch der Welttierhandelsexperte Püschel hat Zweifel: „Der Verkauferlös aus den Lagerbeständen lag weit hinter den Erwartungen der afrikanischen Länder zurück. Botswana hatte bis 2009 noch nicht mal sein Geld angerührt.“

In einem Punkt sind sich aber alle Fachleute einig: Die Anträge Tansanias und Sambias bei der Artenschutzkonferenz, den Verkauf von Restbeständen ihres Elfenbeins zu genehmigen, dürfen nach ihrer Meinung nicht bewilligt werden. „Beide Staaten sind noch nicht so weit. Wir sehen hier eine Gefahr für die Tiere“, sagt WWF-Experte Ziegler. Die Zahlen sprechen für sich: Im sambischen South Luangwa Nationalpark war 2005 die Wilderei noch in einem Viertel der Fälle für den Tod von Elefanten verantwortlich. Vor zwei Jahren lag die Wilderei-Quote bereits bei 88 Prozent.

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