Artenschutzkonferenz : Die Welt ringt um die Existenz bedrohter Tiere

Bei der Artenschutzkonferenz in Bangkok müssen die Delegierten über 70 Anträge entscheiden - und bestimmen so die Zukunft bedrohter Tiere und Pflanzen. Die Umweltstiftung WWF spricht von einer Feigenblatt-Politik.

Der weltweite Bestand der Mantarochen ist stark gefährdet. Weil sie eine geringe Vermehrungsrate haben, können sie intensiver Befischung nicht standhalten. Der Handel mit ihnen soll auf der Artenschutzkonferenz erstmals ebenso beschränkt werden.
Der weltweite Bestand der Mantarochen ist stark gefährdet. Weil sie eine geringe Vermehrungsrate haben, können sie intensiver...Foto: AFP

Das Abschlachten bedrohter Tierarten und die Vernichtung von Tropenwäldern haben beängstigende Ausmaße angenommen. Mit dieser Botschaft schlugen die Auftaktredner bei der Cites- Artenschutzkonferenz in Bangkok am Sonntag Alarm. „Das Ausmaß hat Krisenproportionen angenommen und ist mit dem globalen Rauschgift - und Waffenhandel vergleichbar“, sagte Achim Steiner, Direktor der Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UN). „Gegen den illegalen Handel vorzugehen ist eine Sache von globaler Dringlichkeit“, betonte John Scanlon, Chef des Sekretariats des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites).

Betroffen sind unter anderem das Breitmaulnashorn, dessen Horn in Vietnam und China als Wundermittel reißenden Absatz findet, und Elefanten. „In vielen Teilen Afrikas werden jedes Jahr elf bis zwölf Prozent der Bestände wegen des Elfenbeins getötet“, sagte Steiner. Oft seien Rebellenarmeen mit Waffen am Werk oder internationale Syndikate mit raffinierten Hightech-Methoden, etwa zum Hacken von Computern, um Lizenzen zu fälschen. „Das kann die Stabilität und Wirtschaft der Länder bedrohen“, sagte Scanlon. Bis zu 90 Prozent der Abholzung von Tropenwäldern ist nach Angaben von Steiner in den Händen organisierter Banden.

Die 178 Unterzeichnerstaaten des 40 Jahre alten Cites-Abkommens beraten bis zum 14. März, bei welchen Tier- und Pflanzenarten der Handel künftig verboten, eingeschränkt oder gelockert werden soll. Auf den Cites-Schutzlisten stehen rund 35 000 Arten. Bei drei Prozent davon ist der Handel gänzlich verboten. Dazu gehören beispielsweise Tiger, Nashörner und seltene Orchideenarten. Die 2000 Delegierten müssen über 70 Anträge entscheiden. Anders als die meisten Umweltabkommen verfügt Cites über einen Sanktionsmechanismus. So kann bei Verstößen der Handel mit allen von dem Abkommen erfassten Spezies eingeschränkt oder untersagt werden.

Die deutsche Tier- und Artenschutzorganisation Pro Wildlife rechnet bei der diesjährigen Artenschutzkonferenz vor allem mit Kontroversen bei den Anträgen für ein absolutes Handelsverbot für den Eisbären und erstmalige Handelsbeschränkungen für je fünf Hai- und Rochenarten. Deutschland und die Europäische Union (EU) melden sich in Bangkok mit einem Vorstoß zum Schutz des Heringshais zu Wort, eine laut Bundesumweltministerium wegen Überfischung „weltweit stark gefährdete Haiart“. Sein wertvolles Fleisch soll daher nur noch aus nachhaltig bewirtschafteten Beständen in den Handel gelangen. Die Europäer arbeiten dabei zusammen mit den USA, Brasilien und Kolumbien, die für den besseren Schutz anderer Haiarten sowie von Mantarochen eintreten. Mit Widerstand Japans und anderer Fischereinationen, an denen schon 2010 Anträge zum Schutz von Haien scheiterten, ist jedoch zu rechnen.

„Dieses Treffen könnte endlich die längst überfällige Wende bringen“, sagte die deutsche Delegationsleiterin Elsa Nickel. Viele Länder wehren sich gegen Schutzmaßnahmen, denn der Handel mit Wild ist lukrativ. Haie seien nicht nur wegen der in Asien als Delikatesse geltenden Flossen gefährdet, sagte Hai-Spezialistin Sarah Fowler: „Wir haben die Haie in der nördlichen Hemisphäre schlicht aufgegessen.“ Im Mittelmeer lebt nur noch ein Prozent der Heringshai-Bestände der fünfziger und sechziger Jahre, im Nordostatlantik sind es nur noch sechs Prozent. In der EU stehen Heringshaie unter Schutz.

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