Arzt vor Gericht : Fehlbehandlungen mit tödlichem Ausgang

In einem der größten Krankenhausskandale seit Bestehen der Bundesrepublik muss sich der Geschäftsführer und frühere Chefarzt einer Klinik demnächst vor Gericht verantworten. Dem Mediziner wird die Fehlbehandlung von 69 Patienten mit teilweise tödlichem Ausgang vorgeworfen.

Wegberg/MönchengladbachDer angeklagte Mediziner Arnold P. ist wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Ihm werden Behandlungsfehler in 69 Fällen vorgeworfen. Im Einzelnen geht es um Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen, schwere Körperverletzung in einem Fall sowie um fahrlässige Tötung in vier Fällen. Außerdem werden dem Mediziner gefährliche Körperverletzung in 24 Fällen, vorsätzliche Körperverletzung in 30 Fällen, fahrlässige Körperverletzung in fünf Fällen sowie unterlassene Hilfeleistung in einem Fall zur Last gelegt. Die Patienten seien im Alter zwischen 50 und 92 Jahren gewesen, hieß es. Wann der Prozess gegen ihn beginnt, ist derzeit noch offen.

Die Ermittler gehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Mediziner seinen Patienten im Wegberger Krankenhaus unnötig Organe entnommen hat. Zur Desinfektion soll er nicht sterilen Zitronensaft in den geöffneten Bauchraum seiner Patienten gespritzt haben, sagte Behördensprecher Lothar Gathen. Auch soll er teils auf der Basis von Fehldiagnosen operiert haben.

Vorerst wurde ein Ersatz-Chef benannt

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft richtet sich zudem gegen acht weitere Ärzte, von denen noch drei am Wegberger Krankenhaus tätig sind. Die Bandbreite der Vorwürfe reicht von der einfachen Körperverletzung bis zur Körperverletzung mit Todesfolge.

Die Ermittlungen waren Ende Dezember 2006 nach einer anonymen Anzeige aufgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte Patientenakten und durchsuchte die Privatwohnung von P.

Am Montag wurde für den in Untersuchungshaft sitzenden Geschäftsführer der Klinik ein Ersatz-Chef benannt. Kurz vor Ablauf einer vom NRW-Gesundheitsministerium gesetzten Frist sei die Personalie mitgeteilt worden, sagte ein Ministeriumssprecher in Düsseldorf. Andernfalls hätten rund 180 Beschäftigte der Klinik ihren Arbeitsplatz verloren. (sba/ddp)

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