Welt : Astronaut Schlegel angeblich wieder topfit

Verwirrende Meldungen über eine Krankheit – Er soll an einem Außeneinsatz am Mittwoch teilnehmen

Oberpfaffenhofen - Wie mag es sein, wenn man krank ist da oben, 400 Kilometer über der Erde im All? Meldungen über gesundheitliche Probleme des Astronauten Hans Schlegel hatten große Besorgnis aber auch Verwirrung ausgelöst. Jetzt heißt es offiziell: Der Deutsche an Bord der Internationalen Raumstation ISS ist gesund. „Topfit“, wie Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) dem Tagesspiegel sagte. Ob das stimmt? Schlegel wird nicht wie zunächst geplant den ersten „Weltraumspaziergang“ am Montag aber voraussichtlich den zweiten am kommenden Mittwoch unternehmen. „Es war keine Weltraumkrankheit“, sagte Schütz und widersprach damit US-Medien.

Schlegel wird nach Thomas Reiter der zweite Deutsche sein, der je im Raumanzug im All schwebte. Reiter war dreimal im Außeneinsatz, zuletzt 2006 auf der ISS. Schlegel selbst meldete sich am Sonntag zum Morgenappell im Kontrollzentrum Houston: „Good morning everybody. Thank you very much for this piece of music“ – die Crew war mit Herbert Grönemeyers „Männer“ geweckt worden. Schlegels Frau hatte die Musik ausgesucht.

Schlegel und sechs weitere Astronauten waren am Donnerstag nach zweimonatiger Verzögerung mit der US-Raumfähre „Atlantis“ gestartet, um das europäische Weltraumlabor „Columbus“ zur ISS zu bringen. Am Samstag dockte die „Atlantis“ planmäßig an. Doch dann gab es plötzlich Probleme: Der für Sonntag geplante, äußerst anstrengende „Weltraumspaziergang“ Schlegels wurde um 24 Stunden verschoben.

Anstelle von Schlegel soll dann sein Kollege Stanley Love zusammen mit dem US-Astronauten Rex Walheim in den Raumanzug steigen und das europäische Weltraumlabor „Columbus“ für das Andocken an die ISS vorbereiten. Love hat eigens für einen solchen Notfall parallel zu Schlegel jeden Handgriff trainiert. Bei dem Einsatz soll das Modul mit einem Roboterarm von der „Atlantis“-Laderampe an seine Position an der ISS gehievt werden.

Sofort wurde spekuliert, Schlegel leide an der Weltraumkrankheit. Viele Raumfahrer reagieren mit Übelkeit, Schwindel und Orientierungsproblemen auf die Schwerelosigkeit – ein Phänomen, das nach ein paar Tagen im All verschwindet. Ähnlich wie bei der Seekrankheit hat der Körper Schwierigkeiten, die Wahrnehmungen des Auges und des Gleichgewichtsorgans im Innenohr zusammen zu bringen. Woran Schlegel litt, blieb unklar. „Die Nasa macht keine Aussagen zu medizinischen Fragen. Das ist Privatsphäre“, sagte Schütz. „Messwerte“ bei Schlegel hätten Anlass zur Besorgnis gegeben, man sei auf Nummer sicher gegangen – Einzelheiten wisse man nicht.

Gerade die Wortkargheit der NASA schürte in Deutschland Sorgen. Das sei „sehr eigenartig und für ein solches Projekt unangemessen“, schreibt ein Raumfahrtfan in einem Blog auf der DLR-Internetseite. Andere Leser wünschten dem Deutschen „Gute Besserung“ und „Alles Gute“. Die Nachricht, dass es Schlegel gut gehe, wurde mit großer Erleichterung aufgenommen. „Ich drücke dem ganzen Team und im speziellen auch Hans Schlegel die Daumen, dass alles Weitere glatt verläuft“, heißt es.

Wegen des vertagten Außeneinsatzes verschieben sich alle anderen Aktionen um 24 Stunden. So wird die „Atlantis“ voraussichtlich einen Tag später zur Erde zurückkehren. Tsp/dpa

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