Astronom : Kopernikus-Grab: Identifizierung war ein Geniestreich

Bei der Identifizierung des Grabes von Kopernikus halfen Technik, Glück und kriminalistisches Gespür.

Knut Krohn[Warschau]
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Kopernikus bei der Himmelsbeobachtung - so stellte sich der polnische Maler Jan Mateijko die Arbeit des Astronomen vor. -Foto: akg-images

Was wäre gewesen, wenn der Astronom Nikolaus Kopernikus (1473–1543) sich nicht gelegentlich die Haare gerauft hätte? Vermutlich wäre die Welt in diesem Fall um eine Erkenntnis ärmer – nämlich dass der Astronom in Frombork (Frauenburg) im Norden Polens begraben liegt. Den Beweis dafür lieferte die DNA-Analyse eines Zahnes von Kopernikus – und zweier Haare. Es bestehe nun Gewissheit, dass es sich bei einem im Dom von Frombork gefundenen Schädel um den des berühmten Wissenschaftlers handle, verkündete der polnische Archäologe Jerzy Gassowski stolz.

Am Ende seines 70 Jahre währenden Lebens war Kopernikus Domherr von Frombork gewesen. Aus diesem Grund waren Historiker davon ausgegangen, dass der Mann, der mit seiner Theorie der beweglichen Erde und der um die Sonne kreisenden Planeten das Denken seiner Zeit revolutioniert hatte, dort auch bestattet sein müsse. Obwohl Kopernikus schon zu Lebzeiten ein berühmter Mann war, wurde sein Grab nicht mit einem Namen versehen. Bei Ausgrabungen vor zwei Jahren in einem Seitenaltar des Domes wurden mehrere Leichen entdeckt. Darunter war auch der gut erhaltene Schädel eines etwa 70 Jahre alten Mannes, von dem man vermutete, dass es sich um die sterblichen Überreste von Kopernikus handeln könnte. Doch der wollte sich sein Geheimnis lange nicht entlocken lassen. Der Archäologe Gassowski hatte zuerst versucht, die Nachfahren des Astronomen zu finden, um Genvergleiche anzustellen. Doch der Stammbaum des Genies verliert sich irgendwann im 18. Jahrhundert.

Grund für die nun geglückte Zuordnung der Gebeine waren modernste Technik, viel Glück und auch einiges kriminalistisches Gespür. In einer Universitätsbibliothek im schwedischen Uppsala fand sich ein Buch, das einst Kopernikus gehört hatte, das „Calendarium Romanum Magnum“ von Johannes Stoeffler aus dem Jahr 1518. Darin wiederum entdeckten Forscher Haare, die denselben genetischen Code aufweisen wie der Schädel aus Frombork. Das genügt den Wissenschaftlern, um mit fast 100-prozentiger Sicherheit sagen zu können, dass es sich bei dem Leichnam in Frombork um Kopernikus handelt. Um letzte Gewissheit zu erlangen, wurde im polizeitechnischen Institut in Warschau das Gesicht zu dem Schädel rekonstruiert. Zur großen Freude der Experten ähnelt das Antlitz den zeitgenössischen Porträts von Kopernikus aus jener Zeit.

Im Dom zu Frombork ist man nun stolz, dem berühmten Astronomen endlich ein Grab mit Namen geben zu können – obwohl die mächtige Kirche lange Zeit große Probleme hatte mit den revolutionären Thesen des Kopernikus. Doch auch der Erkenntnisstand der Kirchenfürsten veränderte sich im Lauf der Jahrhunderte. Und Jacek Jezierki, Bischof der Diözese, hat bereits versprochen: „Wir werden jetzt einen würdigen Sarkophag anfertigen lassen.“

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