• Atom-U-Boot in Not: "Für uns nicht vorstellbar" - Warum deutsche U-Boote mit russischen nicht vergleichbar sind

Welt : Atom-U-Boot in Not: "Für uns nicht vorstellbar" - Warum deutsche U-Boote mit russischen nicht vergleichbar sind

Jörn Hasselmann

Die Technik macht den Unterschied: Die deutschen U-Boote sind mit den russischen Atom-U-Booten nicht zu vergleichen. Die in Eckernförde stationierte Klasse 206 A, weltweit eine der kleinsten Typen, verdrängt getaucht 450 Tonnen. Die moderne russische Klasse "Oscar II" das 40-fache: rund 18 500 Tonnen Wasser. Der neue U-Boot-Typ 212, der in einigen Jahren die 1973 bis 1975 gebauten 206er ersetzen soll, wird 1450 Tonnen verdrängen. Seit 1998 ist das erste Modell in Hamburg in Bau.

Welten liegen auch beim Antrieb und bei der Konstruktion zwischen deutscher und russischer Technik. Kriegsschiffe mit Nuklearantrieb gibt es nicht, und die deutschen Typen haben nur einen Druckkörper mit einer Zelle. Würde ein deutsches U-Boot leckschlagen nach einer Kollision oder einer Explosion, würde es volllaufen und sinken. Das ist noch nicht passiert. Einmal kollidierte ein deutsches U-Boot mit einer Bohrinsel: Da sehr elastischer Stahl verwendet wird, gab es nur eine Delle. Bei der "Kursk" ist nur ein Teil des Rumpfes vollgelaufen. Auch in der Tauchtiefe erreicht die Klasse 206 A im Normalbetrieb nur etwa 100 Meter, bis zu 300 Metern wären möglich. "Deshalb ist das Szenario für uns nicht vorstellbar", sagte Fregattenkapitän Krebs aus dem Verteidigungsministerium.

Ein weiterer Unterschied zu den Russen ist das Rettungstraining. Sollte ein deutsches U-Boot nach einem Riss oder einem Leck sinken, "ist Aussteigen die einzige Chance", sagte ein Marineoffizier. Rettungsglocken oder -U-Boote hat die Marine nicht. Bei der großen Nato-Übung 1995 in Norwegen stand die Rettung aus einem havarierten U-Boot im Mittelpunkt. An Land wird das Aussteigen im "Ausbildungszentrum Uboote" (AZU) in Eckernförde trainiert. Jedem der 22 Mann eines 206 A steht dazu ein so genannter Tauchretter zur Verfügung. Das ist kein Tauchanzug, sondern nur eine Art Schwimmkragen, mit einem Luftvorrat in einer Kartusche. Bei der geringen Tauchtiefe reicht das allemal. Beschafft wurden die Boote für die Ostsee - die bei U-Boot-Fahrern als "überschwemmte Wiese" verspottet wird.

Durch ein Torpedorohr

Die besseren Rettungsanzüge der Nato, die ein Verlassen des Bootes aus größerer Tiefe erlauben, gibt es bei der Deutschen Marine noch nicht, sagte Fregattenkapitän Stoffers vom Flottenkommando in Flensburg dem Tagesspiegel. Ob Geldmangel der Grund ist, dass dieses Rettungsgerät nicht beschafft wird, wollte Stoffers nicht sagen. Sinnvoll wäre die Nachrüstung schon, denn mittlerweile operieren deutsche U-Boote nicht mehr nur in der Ostsee wie in Zeiten des Kalten Krieges, sondern häufig auch in der Nordsee, Atlantik oder Mittelmeer. Ausgebildet an diesem Gerät würden deutsche Marinesoldaten aber schon im "Tauchtopf" der Marine in Neustadt, sagte Stoffers. Nach Angaben eines Experten der Lübecker Firma Dräger, die für die Deutsche Marine die Tauchretter herstellte, sollen diese in England gebauten "Gasschutzanzüge" in bis zu 180 Metern Tiefe funktionieren.

Deutsche Kampfschwimmer trainieren zudem, ein U-Boot durch ein leeres Torpedorohr zu verlassen und zu besteigen. Diese Übung gilt als extrem schwierig und psychisch belastend. "Normale" Soldaten eines U-Bootes lernen das nicht. "In ein Torpedorohr kriegen mich keine zehn Pferde rein", sagte ein Marineoffizier.

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