Welt : Atom-U-Boot in Not: Kaum noch Hoffnung für russische Besatzung

Elke Windisch

Nach mehreren gescheiterten Versuchen zur Rettung möglicher Überlebender in dem mit 118 Mann an Bord verunglückten russischen Atom-U-Boot "Kursk" schwindet die Hoffnung immer mehr. Am Donnerstag gab es bereits den zweiten Tag keine Klopfsignale aus dem in über 100 Meter Tiefe auf dem Grund der Barentssee liegenden Havaristen. Die Lage sei "nahe an einer Katastrophe", sagte der russische Ministerpräsident Michail Kasjanow. Die letzten Hoffnungen richteten sich auf die Hilfe der Nato. Ein britisches Rettungs-U-Boot (LR5) war zwar an Bord eines Spezialschiffes vom norwegischen Trondheim unterwegs, doch mit seinem Einsatz wurde nicht vor Samstag gerechnet.

Nach Beobachtungen amerikanischer Geheimdienste im Katastrophengebiet, die die halbamtliche russische Agentur Itar-Tass zitierte, müsse "davon ausgegangen werden, dass an Bord bereits alles Leben erloschen" sei. Auch russische Experten meinten, die Sauerstoffreserven an Bord könnten schon am Freitag zu Ende gehen, "maximal jedoch bis zum 25. August" reichen. Der ehemalige Oberkommandierende des russischen Kontingents der Schwarzmeerflotte, Eduard Baltin, äußerte sich noch skeptischer. Auf U-Booten gelte die Faustregel, wonach pro Mann und Stunde mit einem Verbrauch von einem Kubikmeter Luft zu rechnen sei. In Anbetracht der Kapazitäten der "Kursk" sei daher der Sauerstoff bereits am Dienstag ausgegangen. Aus Sparsamkeitsgründen war das Schiff zudem ohne Akkumulatoren ausgelaufen, die beim Ausfall des Kernreaktors Energie und Atemluft produzieren.

Eine russische Militärdelegation beriet indes in Brüssel mit Nato-Experten, welche weitere Hilfe die westliche Allianz bereitstellen könnte.

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