Welt : Auch Arabien hat jetzt einen Superstar

Das Publikum wählte die Jordanierin Diana Carazon

Andrea Nüsse[Amman]

Gegen 23 Uhr am Montagabend war es soweit: Diana und Ruwaida in ihren schwarzen Abendgarderoben halten sich einträchtig die Hand vor den Fernsehkameras des libanesischen Senders Future TV. Doch die Blicke sind nervös auf den Fußboden gerichtet, den Gesichtern der beiden Sängerinnen ist die Anspannung anzumerken. Gegen tausende Konkurrenten haben die Jordanierin und die Syrerin sich über 21 Wochen lang durchgesetzt – jetzt entscheidet das arabische Publikum per E-Mail, Telefon oder SMS darüber, wer der arabische Superstar wird.

Millionen Menschen in der gesamten arabischen Welt fiebern am Bildschirm mit ihrer Favoritin mit. Dann brechen die beiden so unterschiedlichen Frauen in Tränen aus: Die korpulente Diana Carazon aus Jordanien, in schwarzen Hosen und mit offenen Haaren, weint vor Freude, weil etwa 52 Prozent der 4,8 Millionen abgegebenen Stimmen auf sie entfielen. Damit ist die 19-Jährige der arabische Superstar – und bekommt einen Plattenvertrag mit einer internationalen Firma. Die glamouröser wirkende Syrerin Ruwaida Attieh im bodenlangen Abendkleid mit der Hochsteckfrisur kann ihre Tränen der Enttäuschung über den zweiten Platz nicht verbergen. Dennoch ist auch sie bereits ein Star in der arabischen Welt, die in den vergangenen Wochen im Fieber der Superstar-Suche war. Etwa 10000 Kandidaten hatten sich für den Talentwettbewerb beworben. „Meine Tochter hat ihr ganzes Taschengeld für Telefonkarten ausgegeben, um mitzustimmen", erzählt der Computerfachmann und Musiker Jean-Claude Elias in Amman.

Anders als bei der Suche nach dem deutschen Superstar kamen in der arabischen Version, wo die Finalisten aus Algerien, Ägypten, Jordanien, Libanon, Palästina, Syrien und den Vereinigten Arabischen Emiraten kamen, auch nationale Gefühle ins Spiel. So bekundeten der jordanische König Abdallah und Königin Rania der jungen Jordanierin Diana ihre Unterstützung. Der Inhaber eines Eisladens verschenkte Eis an Kunden, die am Wochenende vor seinen Augen für Diana stimmten. Doch vor diesem Hintergrund gab es auch Spannungen: Als der libanesische Kandidat Melhem Zein am Samstagabend abgewählt wurde, protestierten erzürnte Fans vor dem Gebäude des Fernsehsenders in Beirut. Anhänger von Verschwörungstheorien sahen die Hände Syriens im Spiel.

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