Welt : Auf den Tag kommt es nicht an

Wegen der Beisetzung des Papstes am Freitag verschieben Charles und Camilla ihre Hochzeit auf Samstag

Matthias Thibaut[London]

Ein Fragezeichen stand am Montag plötzlich über der Hochzeit von Prinz Charles und Camilla Parker Bowles, nachdem die Kardinäle in Rom den kommenden Freitag als Termin für die Beisetzung von Papst Johannes Paul II. festgesetzt hatten. Doch dann teilte Clarence House, der Londoner Palast des Prinzen, mit, Charles werde selbst am Begräbnis des Papstes teilnehmen. „Als Ausdruck des Respekts haben Seine Königliche Hoheit und Frau Parker Bowles entschieden, ihre Hochzeit auf Samstag zu verschieben“, hieß es.

Nach der Ankündigung aus Rom standen viele Leute zunächst vor einem Dilemma, nicht nur die Gäste der Hochzeit, die auch zum Papst-Begräbnis gehen wollten. Vor allem Charles: Natürlich ist der britische Thronfolger bei seiner eigenen Hochzeit unabkömmlich. Aber Charles ist auch der beste Mann, die Queen bei der Beisetzung des Papstes in Rom zu vertreten – so wie er es bei Dutzenden von Staatsbegräbnissen getan hat, denen die Queen in der Regel fernbleibt, weil sie Begräbnisse meidet. So kommt es denn auch, dass Charles nach Rom fahren wird.

Natürlich hätte auch der Duke of Edinburgh fahren können. Aber er wird als Vater bei der Hochzeit gebraucht. Auch andere wichtige Akteure – vor allem Premier Tony Blair und der Erzbischof von Canterbury – sind in Rom mehr oder weniger unabkömmlich. So brach Charles gestern seinen Skiurlaub in Klosters in der Schweiz erst einmal ab, um am Nachmittag an einem Gedenkgottesdienst für den Papst in der Westminster Cathedral teilzunehmen. Gelegenheit für ihn, Premier Blair auf die Seite zu ziehen, den Terminkalender abzugleichen.

Lange genug gewartet hat Prinz Charles auf die Ehe mit Camilla Parker Bowles ja. Der 56-jährige Charles lernte sie als 22-Jähriger kennen und hat sie seither, nach allem was wir wissen, fast ununterbrochen geliebt. Vielleicht kommt es nun auf einen Tag nicht mehr an. Hieß es am Montagvormittag in Clarence House noch, die Hochzeit finde statt, auch wenn der Papst an diesem Tage beerdigt werde, änderte sich diese Haltung schnell.

Denn wie könnte der Erzbischof von Canterbury, das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Kirche, nicht nach Rom reisen zur Beisetzung des Papstes, der so viel für die ökumenische Aussöhnung der Kirchen getan hat. Nur in einem logistischen Gewaltakt hätte er morgens in Rom an der Beerdigung teilnehmen und dann am Nachmittag um 14 Uhr 30 in Windsor am „Einsegnungsgottesdienst“ für Charles und Camilla in der St. George’s Kapelle von Windsor teilnehmen können. Oder Premier Blair. Als Premier muss er an der Hochzeit des zukünftigen Königs teilnehmen. Aber seine Präferenz, ließ Downing Street gestern ziemlich deutlich durchblicken, war die Fahrt nach Rom. Blair hatte schon die Bekanntgabe des Wahltermins aus Achtung für den Papst verschoben. Er ist ein Bewunderer des Papstes und man munkelt, er werde zum katholischen Glauben übertreten, sobald er nicht mehr Premier ist.

Seit der Ankündigung seiner Hochzeit mit Camilla Parker Bowles hatte Charles nur Verdruss. Er musste sich Stürme des Protestes, der Kritik und verfassungsrechtlicher Nörgelei gefallen lassen. Er musste den standesamtlichen Teil vom Schloss ins Rathaus von Windsor verlegen, weil das Schloss keine Heiratslizenz haben kann. „Nun wird nicht einmal eine Sonnenfinsternis die Hochzeit verhindern“, behauptete Lord St. John of Fawsley, Erzmonarchist und guter Kenner der königlichen Familie am Sonntag noch gegenüber Nachrichtenagenturen. Die Beerdigung des Papstes würde Aufmerksamkeit von der Hochzeit ablenken, meinte er. „Vielleicht ist Charles und Camilla das gar nicht so unlieb.“ Gewiss könnte der Kontrast zu der Märchenhochzeit vom Juli 1981 nicht größer sein. 3500 Menschen quetschten sich damals in die St. Paul’s Kathedrale. Über eine halbe Million säumten die Straßen, als Charles und seine blutjunge Prinzessin Diana in der Kutsche aus der St. Paul’s Kirche zurück zum Buckingham Palast fuhren. Doch auch der geplante Festakt für die beiden geschiedenen Langzeitliebhaber in der Schlosskapelle von Windsor ist nicht gerade bescheiden. 750 Gäste sind geladen, Chorknaben sollen die Bach-Kantate „Nun kommt der Heiden Heiland“ singen, eine eigens komponierte Hochzeitsfanfare wird gespielt.

Dann geht es zum Stehempfang ins Schloss, wo Früchtekuchen nach Großmutters Rezept gereicht wird, wie Charles in besonders liebt. Bestellt wurde er bei der 74-jährigen Etta Richardson aus Llansteffan in Wales für 7 Pfund 50 pro Kuchen. Immerhin 31 Prozent der Briten wollen die Übertragung der kirchlichen Feier im Fernsehen ansehen. Entscheidend ist aber, dass der Erzbischof von Canterbury den Segen gibt. Nur er könnte das Raunen des Widerstands unter den anglikanischen Geistlichen ein wenig ersticken. Die Kirche verwehrte dem bekennenden Ehebrecher Charles die kirchliche Widerheirat – deshalb der Gang aufs Standesamt. Viele zweifeln nun an Charles Eignung, als König einmal das nominelle Oberhaupt der Staatskirche zu werden.

Einige Verfassungsrechtler halten überhaupt die ganze Hochzeit für einen Verstoß gegen Recht, Tradition und Ordnung. Noch nie hat ein britischer König oder Thronfolger seine zukünftige Queen auf dem Standesamt geheiratet. Denn formell wird Camilla Queen, ob die Briten es wollen oder nicht. Sie werde auf den Titel verzichten, beteuerte Clarence House, als bei Diana-Anhängern das Sturmgeheul losbrach. Sie werde sich „Princess Consort“ und „Herzogin von Cornwall“ nennen – ähnlich wie jetzt der Duke of Edinburgh.

Unglaublich, schimpfte die „Daily Mail“. Man wolle Camilla den Titel „Königliche Hoheit geben“, den man Diana abgenommen hat. Abergläubische glauben nun, dass der Geist Dianas das alles organisiert hat – als ungebetener, aber immer präsenter Hochzeitsgast.

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