Welt : Auf kargem Boden

Äthiopien ist eines der ärmsten Länder Afrikas / Staatsbeamte hegen Misstrauen gegenüber Helfern

Dagmar Dehmer

Berlin - Die Hügel sind kahl und verkarstet, von Erosion gezeichnet. Bäume gibt es kaum. Das wenige Grün sind meist schnell wachsende Eukalyptusbäume, die viel Wasser brauchen und den Boden versauern. Die Felder sind klein: In diesem Februar waren sie knochentrocken: Die kleine Regenzeit ist ausgeblieben.

So ähnlich könnte auch Karlheinz Böhm das Land gesehen haben, als er 1981 zum ersten Mal nach Äthiopien kam. Heute ist er der einzige ausländische Ehrenbürger Äthiopiens. Seine Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“ arbeitet seit mehr als 25 Jahren in einem der ärmsten Länder Afrikas. Sie hat dort Pionierarbeit geleistet. 1981 herrschte in Äthiopien Mengistu Haile Mariam, ein Stalinist reinsten Wassers. Mindestens 5000 Menschen starben in seinem Staatsterror gegen „Klassenfeinde“.

Die Arbeitsbedingungen für Hilfsorganisationen waren 1981 nicht gerade ideal. Zumal das Land in den frühen achtziger Jahren auch noch von Dürrekatastrophen getroffen wurde, die bis heute das Äthiopienbild der deutschen Öffentlichkeit bestimmen – ausgemergelte Kinder mit geblähten Hungerbäuchen in trostlosen Flüchtlingslagern. Doch Karlheinz Böhm ließ sich nicht abschrecken. Er sagt, er habe nur eine Forderung an die Regierung gestellt – nämlich, dass diese keine Forderungen an ihn stelle. Das habe sie ihm zugesagt.

Ganz so einfach, wie Karlheinz Böhm es gerne darstellt, ist die Arbeit in Äthiopien für die Helfer aber nicht. Zwar stürzte der heutige Präsident Meles Zenawi 1991 Mengistus Regime und verdiente sich internationale Anerkennung, weil sich einige Dinge in Äthiopien langsam besserten. So gibt die Regierung Meles tatsächlich große Summen für die Bekämpfung der Armut im Land aus und hat inzwischen auch Erfolge vorzuzeigen, wie etwa einige neue Straßen oder elektrische Leitungen, mit deren Hilfe auch das Gebiet über die Hauptstadt hinaus mit Strom versorgt wird. Doch auch „Menschen für Menschen“ muss sich mit einer Misstrauenskultur im Staatsapparat herumschlagen, die auch anderen Nichtregierungsorganisationen (NGO) das Leben schwer machen.

Die Arbeit von „Menschen für Menschen“ ist vielfältig. Seit 1981 hat die Organisation 314 Millionen Euro investiert. Dabei sind 1211 Wasserstellen, 190 Schulen und ein Ausbildungszentrum für technische und landwirtschaftliche Berufe entstanden. 1983 Hektar wurden aufgeforstet. 79 Krankenstationen, vier Polikliniken und drei Krankenhäuser wurden gebaut, 10 175 Kleinkreditnehmerinnen auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt, zehn Brücken sowie 2151 Kilometer Straßen und Wege gebaut. Zudem wurden 1100 Häuser mit Solaranlagen versorgt und eine Anti-Aids-Kampagne initiiert. Dagmar Dehmer

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