Welt : Auf schwankendem Boden

Japan wird von einer Erdbebenserie erschüttert – 21 Menschen sterben. Zuvor tobte ein schwerer Taifun

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Tokio Japan kommt nicht zur Ruhe: Nur wenige Tage nach einem verheerenden Taifun mit 80 Todesopfern ist das Inselreich am Wochenende von einer Serie schwerer Erdstöße erschüttert worden. Mindestens 21 Menschen kamen in der nordwestlichen Provinz Niigata ums Leben, darunter auch Kinder und ein zwei Monate alter Säugling, berichteten japanische Medien. Mehr als 2000 Menschen wurden verletzt, als am Samstagabend Hunderte Häuser einstürzten. Mehr als 80000 Menschen mussten auch die Nacht zum Montag in überfüllten Notunterkünften ausharren. Die Behörden warnten vor weiteren Nachbeben und Erdrutschen.

Viele mussten die kalte Nacht mit Decken und Zelten im Freien verbringen. Hunderte Nachbeben hielten die Menschen auch am Sonntag weiter in Atem. Soldaten mit Hubschraubern retteten Dutzende Bewohner des Bergdorfes Yamakoshimura, das durch Erdrutsche von der Außenwelt abgeschnitten worden war. „Mir graut es, nach Hause zu gehen, alles ist verwüstet“, sagte Shoji Takizawa (68), der die Nacht mit Frau und Sohn im Auto verbrachte. In den örtlichen Krankenhäusern herrschte in Fluren und Wartesälen dichtes Gedränge.

Soldaten und Helfer schafften unermüdlich Trinkwasser zu den Evakuierungszentren in der am schwersten betroffenen Stadt Ojiya.

Bewohner standen mit Flaschen und Töpfen in langen Schlangen vor den Wassertanks an, Toiletten waren knapp. „Ich möchte wieder ein normales Leben führen. Wenn ich über all das hier nachdenke, wird mir schlecht“, sagte ein junger Mann. „Ich wünsche mir, dass meine Kinder wieder sicher schlafen können“, sagte ein anderer. Am Sonntag waren weiter Tausende ohne Gas und Strom, obwohl die Reparaturarbeiten auf Hochtouren liefen. Auch aus dem 350 Kilometer entfernten Tokio, wo ebenfalls die Häuser wankten, wurden Lebensmittel gebracht. Viele Häuser, Straßen und Tunnel in der bergigen Region wurden durch teils gewaltige Erdrutsche völlig zerstört. Wasser- und Gasleitungen barsten, Strommasten und Ampeln kippten um, an manchen Orten brachen Feuer aus. In der Katastrophenregion trauerten die Menschen um Angehörige.

Yokichi Sasaki (74) verlor seine Frau, als das erste Beben am Samstagabend mit einer Stärke von 6,8 auf der Richter-Skala beim Abendessen ihr Haus zerstörte. Vergeblich versuchten Sasaki und seine Enkel, seine Frau aus den Trümmern zu befreien. Bevor sie unter einem Pfeiler starb, rief sie noch „Großvater, hilf mir“, berichteten Augenzeugen.

Rettungskräfte suchten am Sonntag auch mit Hunden nach Vermissten.

Zum ersten Mal in der Geschichte des japanischen Hochgeschwindigkeitszuges Shinkansen entgleiste ein solcher Zug, verletzt wurde aber niemand. Die Telefonleitungen in der Region waren überlastet. Einige Fabriken mussten ihren Betrieb unterbrechen. Zur Finanzierung der Schäden durch die Beben und den vorangegangenen Taifun will die Regierung einen Zusatzhaushalt auflegen. Sie richtete einen Krisenstab ein. dpa

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