Welt : Aufgeflogen

Kopilot der Lufthansa mit verbotener Stahlkugelschleuder im Gepäck erwischt

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Am Frankfurter Flughafen ist ein 30-jähriger Kopilot der Lufthansa ertappt worden, der zwei Präzisionsschleudern im Gepäck hatte. Die Waffen, die auf kurze Distanz tödliche Verletzungen verursachen können, sind in Deutschland streng verboten. Auch 286 Stahlkugeln mit einem Durchmesser von einem knappen Zentimeter, die als Munition dienten, wurden sichergestellt.

Ein Zollsprecher bestätigte am Dienstag dem Tagesspiegel den Vorfall, der sich bereits am vergangenen Freitag ereignet hat. Die Waffen seien bei einer Routinekontrolle, der sich auch das Flugpersonal unterziehen muss, entdeckt worden. Sie befanden sich im Trolley des Kopiloten, der zusammen mit seinem Besatzungskollegen mit einem Crew-Bus von dem Jumbo-Jet abgeholt wurde, der aus Los Angeles kam.

Einfuhr und Besitz der Geräte sind dann verboten, wenn es sich um Präzisionsschleudern handelt, die zur Erhöhung der Durchschlagkraft und Zielgenauigkeit über eine Armstütze verfügen, sagte der Zollsprecher. Diese Waffen könnten „fürchterliche Verwüstungen“ am menschlichen Körper bewirken.

Der 30-Jährige gab nach Angaben des Zolls zu Protokoll, dass er sich des Verbotes nicht bewusst gewesen sei. Die Schleudern habe er einem Freund schenken wollen. Gegen den Mann wurde ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet. Ein Lufthansa-Sprecher sagte auf Anfrage, man werde die ermittelnden Behörden bei Bedarf vollumfänglich unterstützen. Besatzungsmitglieder würden „unmissverständlich“ über verbotene Gegenstände belehrt. Es handele sich um den Fall einer Person und kein Verfahren gegen die Fluggesellschaft. Zu der Frage, ob der Kopilot vom Dienst suspendiert wurde, wollte sich die Lufthansa nicht äußern.

Rätselhaft ist, wie der Trolley mit den Schleudern die strengen Sicherheitskontrollen in den USA passieren konnte. Darüber, ob der Koffer in der Kabine oder im Gepäckraum transportiert wurde, konnte der Zoll keine Angaben machen. Wenn es sich um aufgegebenes Gepäck handelte, sei dies nicht verwunderlich, sagte der deutsche Flugkapitän Georg Fongern, Vizepräsident des Weltpilotenverbandes Ifalpa, dem Tagesspiegel. Dieses werde selbst in den USA weniger streng auf Gegenstände kontrolliert, deren Mitnahme in die Kabine verboten ist, weil während des Fluges niemand Zugriff auf den Inhalt hat. Zudem sind die Präzisionsschleudern in den Vereinigten Staaten als Freizeitsportgeräte frei verkäuflich. Sie werden dort sogar mit Visieren und Laserpointern zur Zielgenauigkeit angeboten. Eine Firma wirbt damit, dass sie auf 24 Fuß (rund 7,3 Meter) einen Bleistift spalten.

Vor zwei Jahren wurde ein Tourist in Düsseldorf gestellt, der für acht Dollar eine Präzisionsschleuder gekauft hatte, um damit auf einer Wohnmobiltour durch die USA auf Konservendosen zu schießen. Er hatte die Waffe zuvor ungehindert durch vier Flughäfen gebracht. Der Mann wurde zunächst zu 1600 Euro Geldbuße verurteilt, die Strafe dann in der Revision auf 500 Euro reduziert.

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