Welt : „Auflösung in der Luft“

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Taipeh (Tsp/dpa). Der taiwanesische Jumbojet, der am Samstag mit 225 Menschen an Bord ins Meer stürzte, war zuvor in der Luft auseinander gebrochen. Die Boeing 747-200 der Fluggesellschaft China Airlines (CAL) sei in vier Teilen vom Himmel gefallen, berichtete am Sonntag der Chef der taiwanesischen Flugsicherheitsbehörde, Kay Yong, in Taipeh. Es gab keine Überlebenden. Die Suche nach den Opfern in dem Seegebiet westlich von Taiwan wurde durch hohe Wellen behindert. Bis Sonntagabend waren erst 78 Leichen geborgen.

Das Unglück ähnelt dem vor New York im Jahre 1996, als eine Boeing 747 der Gesellschaft TWA nach dem Start explodierte. Der Vorgang hatte ebenfalls heftige Spekulationen ausgelöst. Ein Abschuss durch die US-Luftabwehr, eine Bombe und andere Vermutungen waren damals geäußert worden. Im Abschlussbericht hieß es, ein Kurzschluss habe einen Kerosintank explodieren lassen. Auch diese Maschine war mit 24 Jahren schon alt gewesen.

Über die Ursache der Katastrophe in Taiwan sagte Kay Yong nur: „Wir sind sicher, dass das Flugzeug in einer Höhe von mehr als 30 000 Fuß (9144 Metern) auseinander gebrochen ist.“ Er warnte vor vorschnellen Schlüssen, solange der Flugdatenschreiber nicht gefunden sei. Damit bezog er sich auf Spekulationen über eine Explosion, eine Bombe, gar einen Zusammenprall mit einem Meteoriten oder einer chinesischen Rakete. Vizetransportminister Chang Chia-chu versicherte sofort, zum Zeitpunkt des Unglücks habe es keine Armeeaktivitäten der Volksrepublik China in dem Gebiet gegeben.

Fest stand zunächst nur, dass der Flug CI 611 nach Hongkong etwa 40 Minuten nach dem Start um 14.50 Uhr in Taipeh plötzlich vom Radar verschwand. 40 Kilometer nordöstlich der Pescadores-Inseln (Penghu) stürzten dann Wrackteile in die Straße von Taiwan, wie der Meeresabschnitt heißt. Die Maschine war die älteste der Flotte von China Airlines und sollte bald ausgemustert werden. Es war das dritte schwere Flugzeugunglück in Asien in nur sieben Wochen. Das Unglück ist ein neuer Schlag für China Airlines, die nach mehreren Flugzeugunglücken in den 90er Jahren bereits als unfallträchtige Fluggesellschaft gilt.

Die „Auflösung in der Luft“, wie Kay Yong es nannte, erklärt, warum Bauern an der kilometerweit entfernten Westküste Taiwans Papierschnipsel mit dem CAL-Logo, Gepäckzettel, nskarten und Schaumstoffstücke vom Himmel fallen sahen. „Das Flugzeug verschwand plötzlich vom Radar. Bis dahin war sein Flug normal. Auch das Wetter war gut. Der Pilot gab kein Notsignal“, sagte CAL-Präsident Wei Hsing-Hsiung. „Vorläufig schließen wir die Möglichkeit aus, dass das Flugzeug mechanische Probleme entwickelt hat.“ Dann hätte der Pilot immerhin Zeit gehabt, das Problem zu melden. Der Jumbojet war 23 Jahre alt und wurde wegen seines Alters nur noch eingesetzt, wenn keine anderen Flugzeuge zur Verfügung standen. Am 20. Juni sollte er an die thailändische Oriental Thai Airways übergeben werden, die den Jumbo für 1,45 Millionen US-Dollar gekauft hatte.

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