Auftragskiller : Deutsche Ex-Soldaten in den USA angeklagt

Wie im Film: Ermittler jagten eine kriminelle Bande über vier Kontinente. Die Gangster, unter ihnen zwei Deutsche, sollen Drogen geschmuggelt und gemordet haben. Nun schnappte die Polizei sie.

Genannt "Rambo". Der Kopf der Bande wurde in Thailand gefasst.
Genannt "Rambo". Der Kopf der Bande wurde in Thailand gefasst.Foto: dpa

Selbst New Yorks Staatsanwalt fühlte sich an einen Thriller erinnert. „Die schauderhaften Anschuldigungen in der Klageschrift lesen sich, als wären sie aus einem Roman von Tom Clancy“, sagte Preet Bharara. Gerade hatte er nach einer filmreifen Jagd über vier Kontinente Anklage gegen fünf frühere Soldaten erhoben, die angeblich in Liberia einen US-Drogenfahnder und dessen Informanten ermorden wollten. Zwei von ihnen sind Deutsche.

Kopf der Gruppe war demnach ein 48 Jahre alter Mann, der sich Zeitungsberichten zufolge „Rambo“ nennen ließ. Nach einer Karriere bei der US Army begann er der Anklageschrift zufolge 2004 eine zweite Laufbahn – als Auftragskiller. Meist hatte er Helfer. Für den jüngsten Auftrag holte er sich die Unterstützung von vier Kameraden: einem Amerikaner, einem Polen und zwei Deutschen. Ihr Training hatten alle in der Heimat erhalten, in den regulären Armeen ihrer Länder.

Auch die beiden Deutschen, 27 und 29 Jahre, waren Scharfschützen und trugen 2009 noch Uniform. Während ihrer jeweils drei Jahre waren sie auch auf Auslandseinsätzen, der Jüngere im Kosovo, der Ältere in Afghanistan. Die fünf Beschuldigten arbeiteten nach Angaben des Staatsanwalts als Leibwächter für Drogenbosse, doch jeder wollte „Bonusjobs“. Das waren Morde, die extra bezahlt wurden. Für einen ganz speziellen – dem an einem US-Drogenfahnder und dessen Informanten im westafrikanischen Liberia – sollte es für alle drei zusammen 700000 Dollar geben.

Dafür reisten sie um die Welt, schmuggelten Kokain, besorgten Maschinenpistolen und kundschafteten ihre Opfer aus. Die Gangster beschafften sogar spezielle Gesichtsmasken, um aus den beiden Amerikanern und dem Deutschen drei Afrikaner zu machen. Was sie nicht wussten: Der Auftraggeber war in diesem Fall ein verdeckter Ermittler. Am Mittwoch nun wurden sie festgenommen – „Rambo“ in Thailand, der andere Amerikaner und der Deutsche in Liberia, die beiden Helfer aus Polen und Deutschland in Estland. In New York trafen die drei Hauptverdächtigen am Wochenende wieder zusammen.

Alle bekannten sich nicht schuldig. „Die Anklage gibt Auskunft über eine Szene gut ausgebildeter Scharfschützen, die sich als Söldner im Namen des Bösen anheuern lassen“, sagte Bharara. „Drei der Angeklagten waren bereit, willens und geradezu begierig darauf, kaltes Geld für einen kaltblütigen Mord zu nehmen.“ Wie kaltblütig, steht in den Ermittlungsakten. Demnach sagte der deutsche Scharfschütze, der den Mord in Liberia ausführen sollte, bei einem Treffen: „Das macht Spaß. Ich liebe diese Arbeit.“ (dpa)

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