Augsburger Ekelfleisch-Prozess : Haftstrafe für Fleischfabrikanten

Ein Fleischfabrikant etikettiert 130 Tonnen Fleisch um, das nicht mehr gegessen werden sollte - und verkauft es an Dönerbuden. Trotz eines Gewerbeverbots hört er nicht mit dem Handel auf. Nun muss er zwei Jahre ins Gefängnis.

Der Angeklagte Wolfgang L. (r.) im Augsburger Landgericht. Der Wertinger Unternehmer soll laut Anklage zwischen Juni 2006 und August 2007 insgesamt 130 Tonnen tiefgefrorenes Fleisch, das nicht mehr für den Verzehr taugte, in seinem Betrieb umetikettiert und als lebensmitteltaugliche Ware vor allem an Berliner Dönerproduzenten weiterverkauft haben.
Der Angeklagte Wolfgang L. (r.) im Augsburger Landgericht. Der Wertinger Unternehmer soll laut Anklage zwischen Juni 2006 und...Foto: dpa

Der Hauptangeklagte im Prozess um einen der größten Ekelfleisch-Skandale in Deutschland muss zwei Jahre ins Gefängnis. Der 60-Jährige hatte laut Urteil in 22 Fällen nicht zum Verzehr geeignetes Fleisch mit neuen Etiketten versehen und mit Hilfe zweier Geschäftspartner vor allem an Berliner Dönerbuden verkauft.
Das Landgericht Augsburg verurteilte den Wertinger Fleischfabrikanten am Mittwoch wegen gewerbsmäßigen Betrugs.
Der 60-Jährige und seine Geschäftspartner hatten insgesamt mit 130 Tonnen Fleisch gehandelt und rund 150 000 Euro umgesetzt. Die Ware sei nicht gesundheitsschädlich gewesen, sondern habe aus formalen Gründen die Zulassung verloren, betonte der Vorsitzende Richter Wolfgang Natale. Als besonders gravierend wertete er jedoch, dass der Angeklagte nach dem Bekanntwerden des Skandals im Sommer 2007 gegen ein Gewerbeverbot verstieß und über eine Strohfrau weiter mit Fleisch handelte.
„Damit hat er die goldene Brücke, die er sich aufgebaut hatte, wieder eingerissen. Es zeigt, wie wenig er bereit ist, wieder in den Bereich der Legalität zurückzukehren“, sagte Natale. Deshalb sei auch eine Bewährungsstrafe nicht in Betracht gekommen. Drei Monate der Strafe müssten allerdings wegen der langen Verfahrensdauer als verbüßt angesehen werden.
Bereits am Vormittag hatten sich Richter, Verteidigung und Staatsanwaltschaft in einer Absprache auf ein Strafmaß von zwei Jahren geeinigt. Voraussetzung dafür war das umfangreiche Geständnis des 60-Jährigen, das er später in Form einer Erklärung seines Anwalts ablegte. Zudem zeigte er Reue für seine Taten: „Das war halt eine riesen Dummheit, das zu machen“, sagte er. Dem Strafmaß schlossen sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft in ihren Plädoyers an.

Verteidiger Steffen Ufer betonte, dass die lange Verfahrensdauer sehr belastend für seinen Mandanten gewesen sei und er zwei Herzinfarkte in dieser Zeit erlitten habe. Zuletzt musste das Verfahren gegen den 60-Jährigen wegen seiner Krankheit im Mai ausgesetzt und abgetrennt werden. Seine Geschäftspartner wurden in der Zwischenzeit bereits zu Bewährungsstrafen verurteilt.
Ausgelöst hatte den Ekelfleisch-Skandal ein Lastwagenfahrer. Im Sommer 2007 brachte er mehrere Tonnen Fleischabfälle in die Wurst- und Fleischfabrik im schwäbischen Wertingen und beobachtete, wie der Angeklagte die Ware heimlich umetikettierte. Im Prozess war der 53-Jährige am Mittwoch erneut als Zeuge geladen. „Dass es da nicht mit rechten Dingen zugehen konnte, der Verdacht lag sehr nahe“, sagte der Lastwagenfahrer. Er gehe zudem davon aus, dass Taten wie die des 60-Jährigen bei weitem kein Einzelfall sind. Der Fahrer hatte die Behörden alarmiert. (dpa)

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