Welt : "Aus welchem Grund auch immer": Ein Prosastück als Riesenbaby

Sacha Verna

Das Schicksal hat ein Kind geboren. Es erhielt den Namen "Aus welchem Grund auch immer" und wurde so lange gepflegt und gehätschelt, bis es zu einem richtigen kleinen Schicksalsroman herangewachsen war. Darin tun drei Paare und einige Singles genau das, was man in einem Schicksalsroman von ihnen erwartet: Sie spielen das Spiel "Gottes Wege sind unergründlich, aber mitunter kreuzen sie sich". Als Schauplätze dienen ihnen ein Auto, eine Autobahnraststätte und ein Hinterhof. Richard und Karin zum Beispiel, die sitzen im Auto. Sie fahren stundenlang Richtung Stadt, bzw. in der Stadt Richtung Hinterhof und machen unterwegs an der Raststätte Halt, wo Lily arbeitet, deren Freund Dieter wiederum ebenda die Kassiererin Gertrud zu Tode erschreckt. Ausserdem tritt der Polizist Georg auf, dessen Frau Evi hochschwanger ist, was dem Georg nicht davon abhält, ein margarineverschmiertes Brötchen zu kaufen und schliesslich ebenfalls im Hinterhof zu landen. Dort finden sich somit - als Schicksalsgemeinschaft gewissermassen - Georg, Richard, Karin, indirekt auch Lily und Dieter, die sind nämlich Nachbarn von Karins Bruder. Alles klar?

Diese Fabel über Un- und Zufälle des Lebens klebt noch zur Hälfte am Reissbrett, an dem sie entstanden ist. Dazu kommt, dass der Autor seinen an sich sauber gearbeiteten Text, wohl tiefsinnshalber, ebenso krampfhaft wie vergeblich zu verrätseln versucht. Was bleibt, ist ein Prosastück wie ein Riesenbaby: zur gross für das, was es ist und zu klein, um etwas anderes zu sein. Vielleicht sollte Mama Schicksal das nächste Mal einfach sparsamer mit dem Gen-Food umgehen.

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