Ausgebüxtes Känguru : Skippi hüpft durchs Unterallgäu

Die Bahnarbeiter trauten ihren Augen nicht: Beim Reparieren der Gleise im Landkreis Unterallgäu hüpfte ihnen plötzlich ein Känguru über den Weg. Das Beuteltier ist bereits seit drei Wochen in Memmingen und Umgebung unterwegs.

Kathrin Hedtke[ddp]
Skippi
Da war Skippi noch auf der Flucht. -Foto: dpa

Memmingen Ihr Kollege Frank Mittag glaubte den beiden Männern zunächst kein Wort . Doch dann machte er sich selber auf die Suche - mit Erfolg. Er habe extra einen Videoclip aufgenommen und nicht nur ein Foto geknipst, sagte der 46-Jährige der "Allgäuer Zeitung". Sonst hätte jemand behaupten können, das digitale Bild sei gefälscht.

Die Bahnarbeiter alarmierten die Polizei. Doch als die Beamten aus Memmingen am Freitag vor Ort eintrafen, hatte sich das rund 70 Zentimeter große, braungraue Beuteltier bereits aus dem Staub gemacht. Bei der Polizei herrschte Ratlosigkeit, zumal niemand das Rotnacken-Wallaby zu vermissen schien. Weder ein Tierfreund, der in der Nachbarschaft Exoten hält, noch der Zirkus, der kürzlich in Memmingen gastierte, vermissten ein Beuteltier. Auch der nächste Zoo in Augsburg ist 90 Kilometer entfernt.

Unter dem Zaun durchgeschlüpft

Erst heute konnte die Polizei Licht in den Fall bringen: Das Bennet-Känguru ist vor knapp drei Wochen aus dem Alpakahof in Bad Wurzach in Baden-Württemberg ausgebüxt. "Wir haben einen neuen Zaun um das Gehege gebaut", sagte Tierparkchefin Gerda Leichtle. "Als wir noch nicht ganz fertig waren, ist 'Skippi' unter dem Zaun durchgeschlüpft." Seither ist das drei Jahre alte Känguru auf Wanderschaft. "An einem Tag kann das Tier zehn bis 15 Kilometer zurücklegen", weiß Leichtle. Bis nach Memmingen sind es rund 35 Kilometer.

"Wir bekommen immer mal wieder Anrufe, dass jemand das Tier gesehen hat", berichtete die Tierparkchefin. "Doch wir können nichts machen - außer Abwarten." Ihre Hoffnung ist, dass sich "Skippi" in ein Wohngebiet verirrt und in einer Garage Zuflucht sucht. Die Polizei warnt davor, eigenhändig Jagd auf das Känguru zu machen und es somit in Panik zu versetzen. Davor hat auch Leichtle Angst: "Es darf keiner Hektik ausgesetzt werden, das kann tödlich enden." "Skippi" könnte leicht vor ein Auto hüpfen.

Doch sonst macht sich die Tierparkchefin keine großen Sorgen um ihren Ausreißer. "Er ist Vegetarier", sagte sie. "Er kommt gut durch, auch im Winter." Das Känguru fresse Beeren und Gras. "Es lebt hier draußen wie im Schlaraffenland."