Welt : Außer Kontrolle

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Von Rita Neubauer, Palo Alto

Eine Feuerwalze bedroht weiterhin die Stadt Denver im US-Bundesstaat Colorado. Mehrere tausend Menschen wurden bereits evakuiert, und Dutzende von Gebäude fielen den Flammen zum Opfer. Experten fürchten jedoch, dass dies erst der Anfang einer katastrophalen Saison von Waldbränden ist.

Sie beginnen meist als Lagerfeuer. Doch hohe Temperaturen, Wind und extreme Dürre lassen im Westen der USA unschuldige Feuerchen zu immensen Wald- und Buschbränden anwachsen. Wie in Colorado, wo acht Brände außer Kontrolle gerieten und eine Feuersbrunst auf die Landeshauptstadt Denver zurollte.

„Was die Größe und Komplexität betrifft, so habe ich noch nie so viele und so große Brände zu dieser Jahreszeit gesehen“, meint Mitt Parsons vom Rocky Mountain Area Coordination Center. „Es macht einem Angst, denn wir befinden uns erst am Anfang der Saison." Sommer ist Feuersaison, doch dieses Jahr begann diese unerwartet früh. So früh, dass Feuerwehrleute in Colorado sogar auf die geplanten Trainingswochen verzichten mussten und ohne diese zum Einsatz eilten. Nicht nur begann die Saison früher, die Brände sind auch größer und zerstörerischer als erwartet.

Landesweit gingen in diesem Jahr bereits mehr als 526 000 Hektar in Flammen auf. Verglichen mit 300 000 Hektar im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres.

Mit ein Grund ist, dass die Schneekappen der Rocky Mountains mit Gipfeln höher als 4700 Metern vielfach bereits im Mai abgeschmolzen waren – zwei Monate früher als gewöhnlich. Die extreme Dürre in Colorado riss den Gouverneur Bill Owens beim Hubschrauber-Rundflug gar zu dem erschrockenen Ruf hin: „Ganz Colorado steht in Flammen". Das ist übertrieben, aber Experten fürchten, dass die diesjährige Saison die Schäden von 2000 übertreffen könnte, die als größte Feuerkatastrophe seit 1910 in die Geschichte einging. Damals brannte ein großer Teil von Montana und beinahe die ganze Stadt Los Alamos in New Mexiko nieder. Mehr als 2,8 Millionen Hektar fielen landesweit den Flammen zum Opfer.

Denn die Dürre ist nicht auf Colorado beschränkt. Vom südlichen Alaska bis zu den Prairies von South and North Dakota, von Utahs Great Basin bis hin zu den Rocky Mountains haben mangelnde Niederschläge für staubtrockene Wälder und Buschland gesorgt. Die vergangenen zwölf Monate waren die trockensten in der Geschichte der Region und die Konditionen reichen von „unnormal trocken“ bis „ernsthafte Dürre".

„Der Südwesten bekommt normalerweise heftige Frühjahrsregen ab“, erklärt Klimatologe Mark Svoboda von der Universität of Nebraska-Lincoln, „doch dieses Jahr fielen diese zu kurz aus." Auch in Kalifornien ist die Gefahr von Waldbränden groß. Vor allem im Süden des Sonnenstaates, der wesentlich weniger Regen abbekommt als der Norden. Zudem wohnen viele Einwohner nahe von Waldgebieten und beobachten mit Schrecken, wie in Denver Zehntausende auf gepackten Koffern sitzen.

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