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Autobrandstifter : Los Angeles: Brände wie in Berlin

Vier Tage lang brannten in Los Angeles Autos – der mutmaßliche Täter ist ein Deutscher. Die Taten ähneln der Brandserie in Berlin im vergangenen Jahr.

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Alarm in Hollywood. Immer wieder musste die Feuerwehr nachts ausrücken, um brennende Autos zu löschen.
Alarm in Hollywood. Immer wieder musste die Feuerwehr nachts ausrücken, um brennende Autos zu löschen.Foto: REUTERS

Vier Tage und vier Nächte lang wütete der Brandstifter. Pausenlos ertönten Feuerwehrsirenen, Hubschrauber kreisten über der Stadt. Insgesamt 53 Brände legte der Täter. Mit Grillanzündern steckte er parkende Autos an. Meist griff das Feuer auf andere Fahrzeuge über, manchmal gerieten dabei auch Gebäude in Flammen. Nach vier Tagen klickten die Handschellen. Die Polizei von Los Angeles nahm einen Mann fest. Es ist ein Deutscher. Er befindet sich in Justizgewahrsam ohne Chance, auf Kaution freizukommen. Ein Sprecher der Polizei gab den Namen des Mannes mit Harry B. an.

Die Taten ähneln auffallend der Brandserie in Berlin im vergangenen Jahr. Der Täter ging auf die gleiche Weise vor. Dass der Festgenommene etwas mit der Berliner Serie zu tun hat, ist aber eher unwahrscheinlich. B., der in Frankfurt am Main geboren sein soll, lebte offenbar in den vergangenen zwei Jahren in Hollywood zusammen mit seiner Mutter. Vorher lebte er mit ihr zwei Jahre in Vancouver. Davor war er offenbar in Deutschland. Unklar ist, ob er von den Bränden in Berlin gelesen hatte und ob sie für ihn ein Vorbild gewesen sind.

Ob er auch in Berlin gewesen war, konnte die Polizei von Los Angeles am Dienstag nicht sagen. Es werde aber nicht ausgeschlossen, weil bei ihm Reisepapiere aus Tschetschenien gefunden wurden und Berlin als wichtige Station der Tschetschenien-Verbindungen gilt, erklärte ein Beamter dem Tagesspiegel. Die Polizei habe die deutschen Behörden informiert.

Inzwischen ist der junge Deutsche auch im Internet zu sehen. Überwachungskameras hatten ihn in der Nähe eines Tatortes aufgenommen.
Inzwischen ist der junge Deutsche auch im Internet zu sehen. Überwachungskameras hatten ihn in der Nähe eines Tatortes...Foto: dpa

Der mutmaßliche Täter war Ermittlern auf Aufnahmen von Überwachungskameras an einem Tatort aufgefallen und zunächst wegen einer einzigen Brandstiftung vernommen worden. Schließlich kamen – offenbar wegen der ähnlichen Vorgehensweise bei den anderen Zündeleien – weitere Fälle hinzu. Ihm werden nun 53 Brände zur Last gelegt. Der Schaden wird auf umgerechnet 2,3 Millionen Euro geschätzt. „Wir sind überzeugt, den Richtigen zu haben,“, sagte der Polizeichef von Los Angeles, Charlie Beck. B. soll Schwierigkeiten mit den US-Einwanderungsbehörden gehabt haben. Weil es Probleme beim Aufenthaltsstatus seiner Mutter gab, habe er mit anti-amerikanischen Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht. Bei seiner Festnahme soll er „Ich hasse Amerika“ gesagt haben.

Die Mutter sagte im Fernsehen, dass ihr Sohn „nicht ganz richtig im Kopf“ sei. Der Hilfssheriff, der ihn festnahm, arbeitet als Freiwilliger für einen Dollar im Jahr. Sein echter Job ist Immobilienanwalt.

Der Verdächtige arbeitet nicht mit der Justiz zusammen. Dafür, dass er der Täter ist, spricht, dass seit seiner Festnahme keine Brandstiftungen mehr gemeldet wurden, während es in den vier Tagen zuvor fast pausenlos irgendwo brannte. Allein in den zwei Stunden vor seiner Festnahme waren elf Brände gelegt worden. „Ein langer viertägiger Alptraum ist zu Ende gegangen“, sagte Stadtsprecher Zev Yaroslavsky.

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