Babyleiche in der Mülltüte : Mutter wegen Totschlags verurteilt

Direkt nach der Niederkunft steckte eine 25 Jahre alte Frau ihr Baby in eine Mülltüte und ließ es sterben. Ein Gericht hat die Angeklagte jetzt wegen Totschlags zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

DarmstadtDas Landgericht Darmstadt sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass die Frau das Kind im Januar 2007 auf einer Krankenhaustoilette im südhessischen Viernheim zur Welt brachte. Sie packte das Mädchen lebend in eine Tüte und versteckte es hinter einem Gebüsch nahe der Klinik.

Die Angeklagte räumte die Tat ein und begründete sie mit Geldsorgen und Angst vor ihrem strengen Vater. Der habe gedroht, ihr das Kind aus dem Bauch zu schneiden, wenn sie schwanger würde, sagte die arbeitslose Frau vor Gericht. Sie habe nicht gemerkt, dass sie
schwanger war und sei von der Niederkunft überrascht worden.

Die Leiche wurde vier Wochen nach der Tat zufällig von einem Kind gefunden, dessen Ball beim Spielen in dem Gebüsch gelandet war. Die Rechtsmedizin konnte die Todesursache nicht mehr eindeutig feststellen: "Offensichtlich ist das lebensfähige Neugeborene durch
mangelnde Fürsorge gestorben. Es war unterkühlt oder ist in der Plastiktüte erstickt", sagte Rechtsmediziner Roman Bux.
Nach Überzeugung des Gerichts ließ die gelernte Hauswirtschafterin das Baby aus Hilflosigkeit sterben. "Sie hatten Angst vor ihrem Vater, fühlten sich hilflos und allein. Sie waren nicht mutig genug, sich den Tatsachen zu stellen", sagte der Vorsitzende Richter Volker Wagner. Deshalb und wegen des Geständnisses bestrafe sie das Gericht für einen minderschweren Fall von Totschlag. Die Frau hatte sich der Polizei gestellt, nachdem Bilder von ihr aus der Überwachungskamera des Krankenhauses veröffentlicht worden waren. (mfa/dpa)

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