Bad Reichenhall : Angehörige werfen Angeklagten Pfusch vor

Die Angehörigen der Opfer fordern Strafen für die mutmaßlichen Verantwortlichen des Eishalleneinsturzes in Bad Reichenhall. Im Prozess um das verheerende Unglück vor zwei Jahren stehen vier Männer vor Gericht.

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Die Unglücksstelle vor zwei Jahren: 15 Menschen fielen den herabstürzenden Dachteilen zum Opfer. - Foto:ddp

Bad Reichenhall/Traunstein In dem Verfahren vor dem Landgericht Traunstein wirft die Staatsanwaltschaft den drei angeklagten Bauingenieuren und Architekten fahrlässige Tötung in 15 Fällen und fahrlässige Körperverletzung in sechs Fällen vor. Das Verfahren gegen einen vierten Angeklagten wurde kurzfristig abgetrennt, da dem 71-Jährigen ein Tumor entfernt werden muss.

Drei der Angeklagten waren am Bau der Eishalle Anfang der Siebziger Jahre beteiligt. Ein Statiker ist angeklagt, weil er die Dachkonstruktion 2003 für ein Gutachten nicht ausreichend überprüft haben soll. Er hatte den Zustand als gut beschrieben.

Angeklagter ist selbstmordgefährdet

Unmittelbar vor Prozessbeginn warfen zahlreiche Angehörige den Angeklagten vor, durch Pfusch das Unglück verursacht zu haben. Der Rechtsanwalt eines Angeklagten sagte, für die Männer sei der Prozess emotional sehr schwer. Der angeklagte Bauingenieur Walter G. war nach Angaben des Gerichtes kürzlich wegen Suizidgefahr in die Universitätsklinik Augsburg eingeliefert. Er sei zwar trotz der andauernden Behandlung verhandlungsfähig, die Prozessführung müsse aber "behutsam" erfolgen.

Mit im Gerichtssaal saßen in drei Reihen die Nebenkläger mit ihren Anwälten. Insgesamt 15 Angehörige von Opfern haben geklagt, sie wollen vor allem eine gerechte Strafe für die Verantwortlichen der Tragödie.

Nach tagelangem Schneefall war am Nachmittag des 2. Januar 2006 das Dach der Eissporthalle in dem Kurort eingestürzt. Die tonnenschweren Trümmer begruben die Eisläufer unter sich. Zwölf der Todesopfer waren Kinder und Jugendliche, bei den drei anderen handelte es sich um Frauen. Außerdem wurden sechs Eisläufer schwer verletzt. Die Angeklagten müssen sich deshalb auch wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. (ut/dpa)

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