Welt : Bärenschule: Italien erzieht Brunos Mutter

Paul Kreiner

Rom - „So macht man das.“ Noch immer voller Zorn über die Ermordung Brunos, hat Italien den Bayern eine Lektion im Umgang mit „Problembären“ erteilt: Brunos Mutter wurde betäubt – und ist wieder frei. Jurka, die achtjährige Bärin aus Slowenien, hatte ihre Kinder falsch erzogen. Dem „JJ1“ – vulgo „Bruno“ – und seinem Bruder „JJ2“ hatte sie beigebracht, sie sollten die Nähe des Menschen suchen, da gäbe es mächtig viel zu fressen. Sie hatte ihnen Hühnerställe gezeigt und Bienenstöcke und Müllcontainer. Den Freund Mensch selbst attackierten sie dabei nie.

Jedenfalls trottet Jurka seit diesem Frühjahr mit drei neuen Jungen herum. Und um sie von weiteren fatalen Erziehungsfehlern abzuhalten, legten die Forstbehörden der Provinz Trentino jetzt ein junges Reh als Köder aus und legten sich vier Nächte hindurch auf die Lauer. Als Jurka am frühen Mittwochmorgen vorbeikam, streckte ein Forstpolizist sie nieder – mit einem Betäubungsgewehr, aus 15 Metern Entfernung.

Nur auf 150 Meter hatte sich am 26. Juni ein bayerischer Jäger an den zweijährigen Bruno herangewagt, mit einer tödlichen Waffe. Kein Wunder, dass die Italiener ihren Erfolg jetzt auch gegen Bayern richten: „Ich glaube, wir haben eine konkrete Antwort gegeben“, sagt Romano Masè, der „Forstminister“ der Autonomen Provinz Trient. Aus Rom tritt Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio nach: Die „nichtgrausame Vorgehensweise“ der Trientiner sei „genau der richtige Ansatz, mit Lebewesen umzugehen“.

Seit Mittwoch früh also trägt Jurka wieder ein Halsband mit Satellitensender; das erste, das man ihr nach ihrer Freisetzung 2001 verpasste, hatte sie irgendwann verloren. Zwei weitere, neue Mikrosender an Jurkas Ohren sollen jetzt helfen, sie auf ihren Wanderschaften immer genau zu orten. Nähert sie sich mit ihren drei Jungen einer menschlichen Ansiedlung, dann platzieren sich dort Forstpolizisten und brennen ihr Spezialgeschosse auf den Leib, die die Bärin nicht verletzen. Auf diese Weise soll neben den Jungbären endlich auch die Mutter lernen, dass sie ihr Futter störungsfrei nur im Wald findet. „Wenn sie’s dann immer noch nicht kapieren“, gibt aber auch Masè zu, „dann bleibt nur eins: Dann müssen wir sie aus dem Nationalpark entfernen.“

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