Welt : Bahn mit klarer Ansage

-

Berlin In den Zügen der Deutschen Bahn wird ein neuer Ton geübt: Die Zugbegleiter probieren sich – je nach Strecke – in Scherzen, an Nachrichten oder internationalem Flair. Wie steht es bei der EM um Rehhagels Griechen? Warum grüßt man im Norden abends mit „Moin!“? Vom Fußballer bis zur regionalen Sehenswürdigkeit: Die Qualität der Ansagen reicht von Infotainment bis zum Charme eines Moderatorentrainings beim Offenen Kanal, von flotter Animation bis zum holprigen Feriensprachkurs.

Bahnreisende bemerken es seit einigen Wochen: Die Deutsche Bahn reformiert die Durchsagen in Fernzügen. Denn wenn nach lautem Knacken der Bordlautsprecher der Zugchef das Wort hat, klingt das oft sehr bürokratisch: Wenn Hungrige den Speisewagen suchen, soll das in Zukunft auch ohne die „Ordnungsnummer“ gehen – „Wagen Nummer sieben“ reicht auch. Die rund 1800 Zugbegleiter der Fernzüge werden jetzt nach und nach für neue Ansprachen geschult. Fahrgäste wünschen sich neben einem netteren Ton vor allem auch bessere Informationen bei Verspätungen, andere freuen sich auch über ein bisschen Unterhaltung. Eine knifflige Angelegenheit für die Bahn: „Manche Reisende möchten am liebsten ganz in Ruhe gelassen werden“, weiß Bahn-Sprecherin Claudia Wachowitz. Insgesamt sollen die Ansagen knapper werden. Aber „die Servicebereitschaft der Teams an Bord“ soll klar werden. Und künftig sollen Gäste vor jedem Halt verabschiedet werden: „Wir danken für Ihre Reise mit der Deutschen Bahn und wünschen Ihnen noch einen schönen Tag“. Um möglichst nicht zu nerven, fallen im Gegenzug bisherige Floskeln weg. Die „angepasste Standardbegrüßung“, wie die Bahn es nicht ganz unbürokratisch nennt, kommt künftig kurz und knapp: „Willkommen im ICE!“ – statt unter Aufzählung diverser Zwischenstationen „... im ICE 596 auf der Fahrt von Frankfurt nach Berlin Ostbahnhof.“ Dass sie viele „weitere Informationen im Faltblatt ,Ihr Reiseplan’“ finden, traut man den Reisenden jetzt alleine zu.

Auch technisch wird die Info-Offensive unterstützt: Schaffner bekommen Fußballergebnisse per SMS aufs Diensthandy. Der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, schlägt vor, die Displays in den ICE-Gängen stärker zu nutzen. Vor allem bei Verspätungen müsse die Bahn ihre Informationsflüsse noch verbessern. Die Chancen stehen also gut, auf Reisen demnächst mit Humor statt einem wenig hilfreichen „Achten Sie auch auf die Lautsprecherdurchsagen am Bahnsteig!“ abgefertigt zu werden. cwe/dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben