Welt : Bahn will Interregiostrecken stillegen

Daniel Freudenreich

Die Deutsche Bahn AG plant im Zuge des Fahrplanwechsels Mitte Dezember drastische Einschnitte im Fernverkehr und will sich von einigen Interregio-Strecken trennen. Einen entsprechenden Bericht der "Berliner Zeitung" bestätigte der Bahn-Sprecher für Personenverkehr, Gunnar Meyer, am Samstag nur in Teilen. Das Blatt habe sich auf eine alte Planung der Jahre 2000/2001 gestützt, welche zum Teil schon umgesetzt sei. "Es wurde Aktuelles mit Abgeschlossenem vermischt", sagte Meyer. So seien einige der erwähnten Verbindungen bereits geschlossen. Die Bahn werde sich am schnellsten von Strecken trennen, die sich nicht rechnen. Verbindungen, die sich wirtschaftlich betreiben ließen, würden dagegen zu IC- oder ICE-Linien aufgewertet, sage Meyer.

Laut "Berliner Zeitung" sollen neun Interregio-Trassen aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt werden. Zehn weitere Verbindungen sollten zum Teil mit geänderter Streckenführung als Intercity (IC-) oder Intercity-Express (ICE) aufgewertet werden. Meyer dementierte die Zahlen. Sie könnten nicht stimmen, da die Bahn derzeit 15 Interregio-Verbindungen betreibe, der Bericht aber 19 anführe. Unter anderem enthalten ist die Linie Rostock-Chemnitz, die darin bereits als gestrichen markiert wurde. Zu den einzelnen Trassen wollte sich Meyer noch nicht äußern und bat um Geduld. Er meinte, es dauere nur noch wenige Wochen, bis die Bahn das geänderte Streckennetz präsentieren könne.

Im Fernverkehr sollen dem Bericht zufolge unter anderem die Strecken Bad Harzburg-Hannover-Fredericia (Dänemark), Saarbrücken-Bremerhaven-Cuxhaven, Stralsund-Frankfurt und Würzburg-München gestrichen werden. Zu IC- und ICE-Linien aufgewertet werden sollen etwa Hamburg-Stralsund, Bremen-Magdeburg-Leipzig, Schiphol-Berlin sowie Dortmund-Kassel-Erfurt. Der Pressesprecher zeigte sich entnervt über die aufgeregte Diskussion um den Fahrplanwechsel der Bahn. Eine alte Geschichte werde ausgegraben und nun wieder hoch gekocht. Dass die Bahn unrentable Interregio-Trassen stillegen wolle, sei nicht neu, meinte Meyer: "Ich verstehe die ganze Aufregung nicht". Die Deutsche Bahn sei ein Wirtschatfsunternehmen, bei dem Angebot und Nachfrage stimmen müssten. Wenn die Interregios leer blieben, müssten sie eben von der Schiene genommen werden: "Verlusterzeuger müssen raus".

Die Gewerkschaft Transnet kritisierte den Interregio-Rückzug. Gewerkschafts-Chef Norbert Hansen bezeichnete die Pläne am Samstag gegenüber dpa als "unnötig, überflüssig und nicht gerade kundenfreundlich". Der Interregio sei sehr beliebt und werde gerne genutzt. "Ein Ausbau wäre erforderlich gewesen", forderte Hansen. Der Gewerkschaftsvorsitzende forderte die Bahn AG auf, ihre Pläne "zu überdenken". Dies sei auch vor dem Hintergrund des laufenden Wettbewerbs erforderlich. Die Bahn laufe ansonsten Gefahr, "mit kurzfristigem Kostdenken einen Steilpass für ihre Wettbewerber zu liefern".

Dieser Kritik trat Meyer gelassen entgegen. "Wenn private Anbieter eine gute Idee haben, dann können sie gerne auf die Schiene", meinte der Sprecher im Hinblick auf den privaten Bahnbetreiber Connex.

Meyer bestätigte, dass mit der Einführung des neuen Tarifsystems ab Mitte Dezember die bisher üblichen Zuschläge für alle Intercity- und Intercity-Express-Züge "definitiv wegfallen werden". Zur Finanzierung und zum zeitlichen Ablauf des Baus der Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin-München, auf der die Fahrt nur noch vier Stunden dauern soll, wollte sich der Bahnsprecher nicht äußern. Dem Bericht zufolge soll die Trasse bis 2012 stehen und vom Bund mit sechs Milliarden Euro unterstützt werden.

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