Welt : Bald hohe Strafen für drastische Wörter

Wer „Fuck“ sagt, soll zahlen

Björn Rosen

Nach dem Auftritt von Janet Jackson beim Super Bowl schlägt jetzt die große Stunde für den Gesetzentwurf eines US-Kongressabgeordneten. Der Republikaner Fred Upton und gut zwei Dutzend weitere Volksvertreter wollen Schimpfwörter und sexuelle Anzüglichkeiten in den Medien mit drastischen Geldstrafen belegen. Das berichten die Nachrichtenagenturen Reuters und AP. Wörter wie „Fuck" könnten US-Radio- und Fernsehsender bald 275 000 Dollar kosten. So hoch ist die angedachte Mindeststrafe. Maximal sollen drei Millionen Dollar fällig sein – pro verbotenes Wort. Das wäre über hundertmal mehr als bisher. Upton, dessen Hauptthema sonst Landwirtschaftspolitik ist, hat den Gesetzentwurf HR-3717 schon im vergangenen Jahr eingebracht. Er ist Vorsitzender eines Medien-Ausschusses im Kongress. „Ich glaube, amerikanische Familien sollten darauf vertrauen können, dass das Fernseh- und Radioprogramm frei ist von Unanständigem, Obszönem und Gottlosem“, erklärte Upton gegenüber Reuters.

Über Janet Jacksons Auftritt zeigte er sich schockiert. Upton nannte ihn „schamlos“ und meinte: „Die Networks werden in Zukunft mehr tun müssen, als sich für ihre Verstöße zu entschuldigen. Sie werden sehr viel Geld bezahlen müssen.“ Programme des Jugendsenders MTV klingen schon jetzt wie ein einziges Pfeifkonzert, weil Wörter wie „shit“ oder „asshole“ mit einem grellen Ton überdeckt werden. In seinen Gesetzentwurf schrieb Upton dezidiert diese Wörter und außerdem die Begriffe „piss“, „fuck“, „cunt“, „cocksucker“ und „motherfucker“ als Obszönitäten, die er verbieten will. Neben den hohen Geldbußen setzen die Medienwächter auf die verzögerte Ausstrahlung von Live-Programmen. Auch die Grammy-Verleihung, von der Janet Jackson in Folge der jünsten Ereignisse ausgeschlossen ist, wird mit Verzögerung ausgestrahlt werden.

Als Heuchelei könnten die Zuschauer allerdings empfinden, dass in den Werbepausen des Super Bowl Millionen Dollar teure Spots für die Potenzmittel Levitra und Cialis gezeigt wurden. Cialis warb mit der Möglichkeit von Sex, wann immer es der Kunde wünscht: Als Beispiele wurden Sex nach demSpaziergang, Sex nach dem Spülen und Sex nach dem Baden präsentiert. Diese Spots dürften kaum den Gefallen Uptons finden.

Merkwürdig nur: Die Hersteller der Potenzmittel, GlaxoSmithKline und Eli Lilly, sind nach Angaben des Washingtoner Instituts „Center for Responsive Politics“ eifrige Wahlkampfspender dieses Politikers.

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