Welt : Ballermann-Partei stößt auf Unverständnis

HUBERT KAHL (dpa)

"Wurstkönig" Horst Abel will auf Mallorca in die Gemeindeparlamente einziehen / Motive sind nicht ganz klarVON HUBERT KAHL (dpa) PALMA DE MALLORCA.Mit dem Gedanken, daß ein Deutscher auf Mallorca eine Ausländer-Partei gründen will, können die Bewohner der spanischen Ferieninsel sich nicht anfreunden."Zuerst kaufen die Deutschen uns die Landhäuser und Grundstücke weg, treiben die Preise hoch, und nun wollen sie sich auch noch in unsere Politik einmischen", heißt es. Aber Parteigründer Horst Abel läßt sich nicht beirren."Den Parteinamen "Amigos Alemanes en Espana" (Deutsche Freunde in Spanien) habe ich bereits registrieren lassen", sagt der als "Wurstkönig" bekannte Fleischhersteller.Bei den Kommunalwahlen 1999 will Abel mit seiner Partei in die Gemeindeparlamente einziehen.Spanien hat bereits das von der EU geforderte kommunale Wahlrecht für EU-Ausländer.In manchen Orten machen die Deutschen bis zu zehn Prozent der Bevölkerung aus. Abel ist schon jetzt ein vielgefragter Politiker.Er eilt von einem Interview zum anderen, zwischendurch fliegt er zu einer Talkshow nach Deutschland.Die Beweggründe für die Parteigründung erläutert er so: "Im Schlepptau des Tourismus kommen viele Kriminelle nach Mallorca und tauchen hier unter.Wir wollen Druck auf die Regierung ausüben, damit sie bei der Kontrolle der Ausländer weniger lasch vorgeht." Bei seinem Entschluß spielte auch der Mord im November an dem "Bierkönig" Manfred Meisel, an dessen Sohn und einer Angestellten eine Rolle."Ich war derjenige, der Meisel nach Mallorca gebracht hatte", sagt Abel."Unter den auf Mallorca ansässigen Deutschen herrscht generell ein Gefühl der Unsicherheit.Wir haben den Eindruck, daß die spanische Justiz bei Delikten unter Deutschen weniger entschlossen vorgeht als bei Delikten unter Spaniern." In der Öffentlichkeit sorgten die Pläne Abels für Aufregung.Catalina Cirer, Delegierte der spanischen Regierung auf Mallorca, sagte: "Die Polizei ist für alle da.Ich glaube nicht, daß die Deutschen einen größeren Schutz brauchen als andere." Die Bürgermeisterin von Calvia, Margarita Najera, meint: "Es wäre besser, wenn die Ausländer sich den bestehenden Parteien anschlössen." Die Zeitung "Diari de Balears" wetterte: "Den Parteigründern geht es nur darum, uns zu kommandieren.Unsere wahren Freunde sind die, die unsere Kultur achten." Abel hält dem entgegen: "Ich hatte nie die Absicht, die Mallorquiner zu germanisieren." Der Vorwurf, er wolle sich nicht integrieren, treffe nicht zu.Abel war vor fast 30 Jahren von Fulda nach Mallorca umgesiedelt, "um Millionär zu werden", wie er sagt.Das schöne Wetter und die Strände hätten ihn weniger interessiert.Heute besitzt er eine Wurstfabrik, eine Brauerei, Gaststätten und Imbißbuden."Ich fühle mich mehr als ein Mallorquiner als ein Deutscher", sagt Abel.Er hat auch Verständnis für die Vorbehalte der Inselbewohner gegenüber seinem Parteivorhaben: "Wenn ich Spanier wäre, würde ich genauso reagieren." Auf Mallorca (750 000 Einwohner) leben etwa 35 000 Deutsche.Zudem besuchen pro Jahr über drei Millionen deutsche Urlauber die Insel.Jahrelang hatten die Mallorquiner die Ausländer, die sich bei ihnen niedergelassen hatten, kaum zur Kenntnis genommen.Offiziell heißt es heute noch: "Mit den Deutschen gibt es keine Probleme." Aber unter der Oberfläche macht sich zunehmend Argwohn breit - nicht nur weil die Deutschen immer mehr Land aufkaufen und sich 20 Prozent der Inselfläche im Besitz von Ausländern befindet. Die Deutschen bleiben für die Mallorquiner rätselhafte Fremde, die mit ihren Bierkneipen (Ballermann 6) und ihren Läden in einer eigenen Welt leben."Sie bringen sogar ihre Klempner aus Deutschland mit", empörte sich eine Zeitung. Der Sprecher der Balearen-Regierung, Manel Farre, räumte aber ein: "Die Integration bei uns ist nicht leicht.Die mallorquinische Gesellschaft ist sehr verschlossen."

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