Bambule an Bord : Alkoholverbot für randalierende Russen im Flugzeug

Immer wieder randalieren betrunkene Russen in Flugzeugen – jetzt droht ein generelles Alkoholverbot. Doch Gegner gibt es viele.

Elke Windisch[Moskau]

Zuerst brachte ein älterer, leicht besoffener Herr einen Schneepflug an sich, der in der Nähe des Flughafens von Kaliningrad, vormals Königsberg, herrenlos herumstand. Mit eben diesem Gefährt durchbrach er dann die Absperrungen und raste auf das Rollfeld, wo er versuchte, eine gerade startende Maschine zu überholen. Russische Nachrichtenagenturen kürten die Verfolgungsjagd zur Meldung des Tages – Rubrik Kuriosa. Die Passagiere dagegen, die erst nach der Landung erfuhren, welcher Gefahr sie entgangen waren, fanden den Zwischenfall überhaupt nicht komisch. Die Transportpolizei reagierte mit einem Erlass, der Boden- und Sicherheitspersonal ermächtigt, Angetrunkene schon beim Einchecken aus dem Verkehr zu ziehen. Das Innenministerium in Moskau drängt sogar auf ein generelles Alkoholverbot an Bord und auf den Flughäfen.

Handlungsbedarf scheint in der Tat vorhanden. Allein im vergangenen Jahr kam es auf Flügen innerhalb Russlands zu über 50 aktenkundigen Ausnahmesituationen, bei denen Alkohol im Spiel war.

Aus den Sesseln machten sie Kleinholz

Noch dramatischer geht es zuweilen an Bord von Ferienfliegern zu. So zettelten Betrunkene auf einem Flug von Thailand nach Jekaterinburg im Ural eine Schlägerei an und wurden, als die Besatzung einschritt, auch gegen diese tätlich. Eine Maschine, die ins israelische Urlaubsparadies Eilat unterwegs war, schrammte sogar nur knapp an einem Absturz vorbei. Wütend, weil zunächst die eigene Ehefrau, dann eine Stewardess Annäherungsversuche eines betrunkenen Fluggastes abwehrten, biss dieser beide Frauen und versuchte dann, den Notausstieg über den Tragflächen öffnen.

Auf ähnliche Weise wollten – mitten über dem Atlantik – auch zwei russische Seeleute auf einem Flug aus den USA nach Frankfurt am Main ihrem Ärger Luft machen. Alarmiert von empörten Mitreisenden hatte die Besatzung sich gewaltsam Zutritt zur Bordtoilette verschafft, wohin die Matrosen sich nach Genuss einer Pulle Wodka zum Rauchen zurückgezogen hatten. Von kräftigen, männlichen Flugbegleitern zu ihren Sitzen zurückgeschleift, machten sie aus den Sesseln Kleinholz.

Ein Gläschen gehört "zum guten Service"

Meist kommen die Übeltäter bisher mit Bußgeldern davon, die eher ermuntern als abschrecken: In der Regel werden nur 500 Rubel fällig, umgerechnet zwölf Euro. Richtig teuer wurde es nur für einen Störenfried, der 2006 eine Maschine der staatlichen Aeroflot zur Notlandung in Prag zwang und anschließend die gesamten Kosten des ungeplanten Zwischenstopps zahlen musste. Er hatte in betrunkenem Zustand versucht, die Tür zum Cockpit aufzubrechen und wurde dafür nach tschechischem Recht bestraft. Nach russischem Recht fällt Bambule an Bord lediglich unter Rowdytum und kann nur bei schweren Folgen strafrechtlich verfolgt und geahndet werden.

Härtere Bandagen sind recht unpopulär. Auch Aeroflot, das auch die meisten deutschen Flughäfen anfliegt, ist gegen ein Alkoholverbot. Vizegeneraldirektor Lew Koschljakow sagte, vorgegangen werden müsse gegen konkrete Verursacher von Sicherheitsbedrohungen, nicht aber gegen ein Gläschen an Bord, das „einfach zum guten Service gehört“. Auch wenn es in der Economy-Klasse seit drei Jahren vom Passagier selbst bezahlt werden muss.

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