Basler Zoo : Farasi darf nicht sterben

Das neugeborene Nilpferd rührt die Schweizer. Aber der Basler Zoo redet offen über eine mögliche Tötung. Farasi könnte an die Löwen verfüttert werden.

Andreas Oswald
Farasi
Das Nilpferdjunge Farasi mit Mutter Helvetia. -Foto: dpa

BaselDas neugeborene Nilpferd Farasi im Basler Zoo erregt die Gemüter in der Schweiz. Die Fotos von dem Tier gingen durch die Gazetten. Umso größer war aber der Schock, als bekannt wurde, dass Farasi möglicherweise an die Löwen verfüttert werden müsse, wenn sich kein anderer Zoo als neue Bleibe findet. Farasi ist ein Männchen und in einem Nilpferdgehege käme es bei zwei Bullen zum Kampf. Spätestens in fünf Jahren würde das Jungtier zu einer gefährlichen Konkurrenz für das Vatertier.

Begonnen hatte die Aufregung mit einem Nebensatz der Zoo-Sprecherin Tanja Dietrich gegenüber der französischschweizerischen Zeitung „Le Matin Dimanche“, wonach man Farasi eventuell töten müsse. Ein Proteststurm von Tierschützern erhob sich, Peta verlangte eine Auswilderung des Tiers und einen Nilpferd-Zuchtstopp im Zoo.

Das Thema Tötung von Tieren im Zoo gehen die Basler offen an. So hatten sie bereits vor einem Jahr öffentlich bekanntgegeben, dass zwei neugeborene Löwen von einer Vierlingsgeburt eingeschläfert würden. Auch damals gab es Proteste. Seit gut zwei Jahrzehnten gibt es ein internationales Tauschprogramm, bei dem sich die Zoos aus aller Welt untereinander helfen, wenn es darum geht, ein Tier zu suchen oder eines abzugeben. So sucht beispielsweise der Zoo in Bern derzeit dringend ein Moschusochsenweibchen, weil der Bulle eine zweite Dame braucht. Gleichzeitig gibt er drei Seehunde ab. Wenn es aber keine Abnehmer gibt oder die Tierhaltung eines Abnehmers fragwürdig ist, werden die Tiere lieber eingeschläfert. „Lieber das Tier töten, als es irgendwo leiden zu lassen“, sagte Tanja Dietrich der Zeitung „Der Bund“ in Bern. Nach Angaben der „Neuen Zürcher Zeitung“ ist es nichts Ungewöhnliches, wenn Jungtiere in Zoos getötet werden. Farasis ältere Schwester Yala sollte ebenfalls verfüttert werden, doch dann starb ein Nilpferdweibchen im Zoo von Dublin, der Yala gerne aufnahm.

Wenn in einem Zoo Tiere getötet werden, werden sie in der Regel an ihre natürlichen Feinde verfüttert. Im Falle eines Nilpferdes wären das laut „Basler Zeitung“ die Löwen.

Werden Ziegen, Antilopen, Rinder, Wölfe, Mäuse und Fische verfüttert, gibt es keinen Protest. Bei dem offenen Umgang mit dem Thema im Falle von Farasi ist das anders. Die Zoobesucher und die Öffentlichkeit sind von dem Schicksal des Tieres emotional berührt.

In freier Wildbahn überleben etwa zehn bis 20 Prozent der Nilpferdjungtiere, heißt es. Da ist die Überlebensrate in Zoos deutlich höher. Am Wochenende meldete sich der schweizerische Cirkus Royal zu Wort. Er wolle Farasi für Auftritte in der Manege übernehmen. Aber der Basler Zoo ist skeptisch, ob das Zirkusleben dem Tier guttut. Vielleicht meldet sich in nächster Zeit ein anderer Zoo, der Farasi aufnehmen will.

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