Bayern : Der "Mittagsmörder" nach 48 Jahren freigelassen

Der „Mittagsmörder“ – nach 48 Jahren ist er frei. Er hatte fünf Menschen ermordet und galt noch lange als gefährlich. Jetzt ist er 74 und lebt im Männerheim, wo er von Sozialarbeitern betreut wird.

Patrick Guyton
Hier saß der "Mittagsmörder" bis zum Schluss. Die Justizvollzugsanstalt Straubing. 48 Jahre lang saß er hinter Gittern.
Hier saß der "Mittagsmörder" bis zum Schluss. Die Justizvollzugsanstalt Straubing. 48 Jahre lang saß er hinter Gittern.Foto: dpa

Als Klaus G. ins Gefängnis kam, gab es noch keine Sushi-Restaurants, Handys oder Tablets. Der fünffache Mörder wurde 1965 gefasst und 1967 vom Schwurgericht Nürnberg zu lebenslanger Haft verurteilt, als er 27 Jahre alt war. Seitdem saß G. in der Justizvollzugsanstalt im niederbayerischen Straubing ein, wo in Bayern in der Regel die Schwerkriminellen hinkommen.

Obwohl „lebenslänglich“ schon nach 15 Jahren Gefängnis beendet sein kann, musste Klaus G. bis jetzt im Gefängnis bleiben – 48 Jahre lang. Kaum ein anderer Verbrecher ist in Deutschland so lange in Haft. Doch jetzt ist er freigekommen – und stößt damit in eine Welt des 21. Jahrhunderts, die er überhaupt nicht kennt.

In den 1960er Jahren war G. als „Mittagsmörder“ bekannt, weil er seine Taten immer zur Mittagszeit ausgeführt hatte. Aus Geldgier hatte er bei Raubüberfällen im Raum Nürnberg mindestens fünf Menschen erschossen. Er ging dabei äußerst skrupellos vor. Sobald jemand Widerstand leistete, zückte er die Pistole und drückte ab. Unter seinen Opfern waren ein Sparkassen-Filialleiter, die Inhaberin eines Waffengeschäftes und ein Hausmeister, der G. stellen wollte. Der „Mittagsmörder“ war in Frankfurt/Oder geboren und wuchs im mittelfränkischen Hersbruck mit Mutter und Bruder auf, der Vater war im Krieg als vermisst gemeldet. G. hatte ein Wirtschafts-Studium begonnen, sich dann freiwillig bei der Bundeswehr gemeldet. Von dort desertierte er aber und lebte dann in Nürnberg unter falschem Namen. Das Geld aus den Überfällen hatte er, so wurde damals berichtet, vorwiegend für Motorräder und Autos gebraucht. Der Richter bezichtigte ihn damals, „wegen eines Hobbys“ getötet zu haben.

Er ist jetzt 74 Jahre alt

Klaus G. kam nicht früher frei, weil er bei Begutachtungen weiterhin als gefährlich angesehen wurde. Jetzt ist er ein 74 Jahre alter Mann. In einem Leserbrief an eine Lokalzeitung hatte er 2012 geschrieben, dass er seine Taten bereue und ihm die Opfer leidtäten. Er machte seine Mutter dafür verantwortlich, dass er zu einem Kriminellen wurde. So habe er keine Lehre als Revierförster machen dürfen, was er sich gewünscht hätte. Zudem hätte die Mutter eine Beziehung zu einer Freundin zerstört. G. beteuert, dass er sich komplett geändert habe und sogar gerne als Laienprediger tätig werden wolle.

Nach Angaben des Nürnberger Oberlandesgerichts ist G. nun in einem Männerwohnheim in Bayern untergebracht und wird von Sozialarbeitern betreut. Es gibt keine Auskunft darüber, wo das Wohnheim ist. Justizsprecher Michael Hammer sagt, dass G. auch wegen seines Alters als nicht mehr gefährlich eingeschätzt werde. In den vergangenen zwei Jahren hatte er vom Gefängnis aus immer wieder bewachte Ausflüge in die Freiheit unternommen, um sich mit der heutigen Welt vertraut zu machen. Berichten zufolge wurde ihm gezeigt, wie man einen Bankautomat und ein Smartphone bedient.

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