Bayern : Doppeldecker rast bei Flugschau in Zuschauermenge

Bei einem schweren Unfall mit einem Doppeldecker während einer Flugschau in Mittelfranken ist am Sonntag eine Frau getötet worden. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt, fünf von ihnen schwer.

Das Doppeldecker-Flugzeug kam beim Starten auf dem Gelände des örtlichen Segelflug-Clubs von der Piste ab.
Das Doppeldecker-Flugzeug kam beim Starten auf dem Gelände des örtlichen Segelflug-Clubs von der Piste ab.Foto: dpa

Es sollte ein Volksfest werden für alle Luftfahrtbegeisterten in der Region - aber schon nach 45 Minuten beendete am Sonntagnachmittag ein schreckliches Unglück den Flugtag im bayerischen in Lillinghof abrupt: Ein zum Formationsflug startender Oldtimer geriet am frühen Nachmittag beim Start außer Kontrolle und raste in die Menschenmenge. Eine 46 Jahre alte Frau aus Lauf geriet anscheinend in die rotierenden Propeller und starb noch am Unglücksort. 38 Menschen wurden am Sonntag bei dem Unglück in der Nähe von Schnaittach-Lillinghof verletzt, fünf davon schwer. Der Pilot kam mit dem Schrecken davon.

Für die rund 3000 bis 3500 Zuschauer, die sich einem abgesperrten Bereich aufhielten, kam das Unglück völlig überraschend. "Wir waren gerade beim Kaffeetrinken, als auf einmal Tische und Bänke durch die Luft flogen - und auf einmal hatten wir den Propeller der Maschine vor uns", berichtete ein Augenzeuge. Die Maschine kam 20 Meter vor dem Kontrollturm zum Stehen und kippte dort auf die Nase.

Der Tower setzte Sekunden nach dem Unglück einen Notruf ab und sorgte für einen Großeinsatz von mehr als 100 Feuerwehrleuten, Notärzten, Sanitätern und dem Technischen Hilfswerk. Während mehrere Rettungshubschrauber die Schwerletzten in die nächste Klinik flogen, kümmerten sich Helfer um Zuschauer mit leichteren Verletzungen.

Selbst zwei bis drei Stunden danach liefen noch Menschen mit blutverschmierten Jacken über das windige Flugfeld auf einem Hochplateau zu Füßen der Frankenalb.

Spekulationen über Unglücksursache

Während sich Kripo-Beamte den dunkelgrünen, auf die Nase gekippten Doppeldecker vom Typ Tiger Moth untersuchten, spekulierten Mitglieder des Segelflug-Clubs Lauf über die mögliche Unglücksursache. Als gesichert galt nach Angaben der Polizei bis Sonntagabend lediglich, dass der rund 70 Jahre alte Doppeldecker bei einem Start zu einem Formationsflug mit zwei anderen Maschinen plötzlich nach rechts ausbrach und in Höhe des Kontrollturms auf die Zuschauer zuraste.

Der frühere langjährige Vorsitzende des Segelflug-Clubs Lauf, Thomas Horz, schloss in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa nicht aus, dass die Maschine von einer starken Windböe nach rechts gedrückt wurde. "Ich habe nur kurz gesehen, wie der rechte Flügel kurz den Boden berührt." Ein solcher Vorfall könne bei Tempo 60 eine solche Maschine leicht destabilisieren und ausbrechen lassen. Die Polizei hofft auf Hobby-Videofilmer in den Reihen der Zuschauer und veröffentlichte noch am Sonntagabend einen entsprechenden Aufruf.

Der Pilot stammt ebenso wie die Flugzeugführer der anderen beiden an der Flugvorführung beteiligten Piloten aus dem hessischen Gelnhausen. Sie treten mit den Maschinen regelmäßig bei Flugschauen auf. Der Pilot der Unglücksmaschine, der noch am Sonntagabend von der Kripo vernommen wurde, gelte als erfahren, berichtete die Polizei. Er fliege seit 15 Jahren den Flugzeug-Oldtimer, seit zwölf Jahren nehme er damit an Flugschauen teil.

Die Veranstalter der Flugschau zeigten sich von dem Unglück erschüttert; zu der Schau werde seit 1969 eingeladen. Bisher habe es noch nie einen Unglücksfall gegeben - "außer mal einen Unterschenkelhalsbruch bei einem Fallschirmspringer".

Tödlicher Unfall auch in Füssen

Zu Zwischenfällen kam es am Wochenende auch bei Flugtagen im bayerischen Füssen und im hessischen Langenselbold.

Zum Unglück beim Flugtag im bayerischen Füssen teilte die Polizei in Kempten mit, eine 50 Jahre alte Drachenfliegerin habe am Samstag in der Startphase einen Fehler gemacht und sei dann in die Tiefe gestürzt. Am Boden prallte sie auf ein geparktes Segelflugzeug. Die Schwerverletzte wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Unfallklinik geflogen. Dort starb sie in der Nacht zum Sonntag.

Glimpflich ging dagegen ein Unfall bei einem Flugtag im hessischen Langenselbold aus: Am Sonntag war ein Kleinflugzeug beim Anlassen am Boden außer Kontrolle geraten. Die führerlose Maschine rollte über den Rasen und blieb schließlich in einer Hecke stecken, teilte die Polizei in Offenbach mit. Verletzt wurde niemand. Der Pilot habe vor der Maschine stehend den Propeller gestartet, als sich das Flugzeug in Bewegung setzte. (ddp/dpa)

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