• BBC enthüllt, wie Frauen zum Sex genötigt und an Geschäftsleute vermittelt werden

Welt : BBC enthüllt, wie Frauen zum Sex genötigt und an Geschäftsleute vermittelt werden

Wilde Partys, Drogen, Sex mit Minderjährigen - eine Reportage des britischen Fernsehsenders BBC, aufgenommen mit versteckten Kameras, hat die Verhältnisse in der Modelbranche ans Licht gebracht. Der Bericht über die Modelagentur Elite, einer der größten und bedeutsamsten der Welt, schildert die Grauzone zwischen ehrbarem Geschäft, Prostitution mit minderjährigen Models und sexueller Nötigung. So werden minderjährige Models, die jüngsten sind erst 13, süchtig gemacht, von ihren älteren Begleitern zu Sex gedrängt und an wohlhabende Geschäftsleute vermittelt.

Britische und französische Medien berichteten groß über die Enthüllungen. Jetzt kam es zu ersten Konsequenzen. Die in den USA und Europa operierende Agentur Elite gab am Freitag den Rücktritt von zwei führenden Managern bekannt. Bei den beiden Franzosen handelt es sich um den Europa-Chef von Elite, Gerald Marie, und den Veranstalter der jährlichen Nachwuchswettbewerbe der Agentur, Xavier Moreau.

Die Staatsanwaltschaft in der italienischen Modestadt Mailand leitete nach der BBC-Sendung Ermittlungen ein, wie am Freitag aus Justizkreisen bekannt wurde.

Elite-Mitbegründer Gerald Marie, Ex-Ehemann des Topmodels Linda Evangelista, bot einer als Mannequin-Anwärterin getarnten BBC-Journalistin umgerechnet 880 Mark (45O Euro) für sexuelle Beziehungen an. Einem männlichen BBC-Reporter vertraute er an, mit der Siegerin des nächsten Nachwuchs-Wettbewerbs ins Bett gehen zu wollen. Die jungen Bewerberinnen sind im Durchschnitt 15 bis 16 Jahre alt.

Bei der in Paris gegründeten Elite, aber auch bei anderen Agenturen werden Models zudem zum Drogenkonsum veranlasst, berichteten die Journalisten.

Elite-Direktor John Casablanca hatte sogleich nach der BBC-Sendung in einer öffentlichen Erklärung "aufrichtiges Bedauern" geäußert und sich bei den betroffenen Models und ihren Familien für die Vorkommnise entschuldigt. Er werde "Disziplinarstrafen" gegen die Schuldigen verhängen und das Nötige tun, um eine Wiederholung der Fälle zu verhindern. In der Reportage wurden insgesamt vier führende Mitarbeiter der Agentur belastet, die außer Linda Evangelista auch Star-Models wie Naomi Campbell und Cindy Crawford berühmt machte.

Die Vorsitzende der französischen Model-Gewerkschaft, Servance Cherouat, freute sich in der Zeitung "Le Parisien", dass mit der BBC-Reportage "endlich das Gesetz des Schweigens gebrochen ist". Viele der zu Sex und Drogenkonsum gedrängten jungen Models hätten aus Angst geschwiegen. Von den Agenturen sei ihnen mit Rausschmiss gedroht worden. Nach Worten der Gewerkschafterin hat sich die Lage in den vergangenen zehn Jahren noch mit der Anwerbung "blutjunger und naiver" Frauen aus den ehemaligen Ostblockstaaten verschlimmert. "Wenn sie bei den großen Agenturen abgewiesen werden, fallen sie oft gewissenlosen Model-Vermarktern in die Hände". Viele von ihnen könnten sich schon alleine wegen ungenügender Sprachkenntnisse nicht wehren.

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