Welt : Be happy, be Bordeaux

Um die junge Generation anzusprechen, werben französische Winzer auf Englisch

Sabine Heimgärtner[Paris]

Be together, be happy, be Bordeaux! Be what oder was ? Ein erstauntes Raunen ging durch die Reihen der deutschen Frankreich-Korrespondenten, als ihnen der Weinfachverband der berühmten Bordeaux-Weine bei einer Pressekonferenz in Paris seine neueste Werbekampagne für Deutschland vorstellte, die ausschließlich in englischer Sprache stattfindet. Ausgerechnet Frankreich, das einzige europäische Land, das vehement gegen den Wildwuchs von Anglizismen in seiner Sprache kämpft und sogar in Brüssel darauf besteht, dass aus dem englischsprachigen Raum importierte Lebensmittel wie „chicken wings“ oder „cheeseburger“ auf der Verpackung auch in französischer Sprache benannt werden, ausgerechnet dieses selbstbewusste und durchaus elitäre Frankreich präsentiert sich mit einem seiner bekanntesten Produkte auf Englisch. In deutschen Ohren grotesk: Be romantic, be famous, be seduced, also romantisch, berühmt und verführt soll der Verbraucher werden, von dem feinen Wein aus dem Bordelais, dessen Hersteller sich in ihrem weltweit wichtigsten Exportland Deutschland eigentlich gar keine Sorgen zu machen brauchen. Die Deutschen süffeln 17 Millionen Hektoliter Wein im Jahr und stehen damit weltweit an vierter Stelle, weit überrundet natürlich von den klassischen Weinkonsumenten Italien und Frankreich, deren Bewohner es auf satte 30 Millionen Hektoliter bringen.

Im vergangenen Jahr wurden rund 420 000 Hektoliter des köstlichen Bordeaux nach Deutschland geliefert, etwa 56 Millionen Flaschen, überwiegend Rotwein. Höhepunkt der Sprachverhunzung der ab April startenden Werbekampagne in den Printmedien und im Fernsehen: After work be Bordeaux! Mit diesem Slogan – begleitet von Spots und Fotos attraktiver, flirtender weiblicher und männlicher Youngsters – sollen nach Feierabend gestresste Jungmanager zu einem Gläschen der zahlreichen Bordeaux-Sorten überredet werden, in ausgewählten Szene-Clubs in Berlin, Stuttgart, Frankfurt und Köln. Um den Anreiz noch zu erhöhen, finden am Ende der kostenlosen Weinproben Modenschauen der französischen Luxuswäsche-Firma Chantelle statt, unter dem Motto „Finesse à la francaise“. „Sehr raffiniert“, bemerkte ironisch ein deutscher Fachjournalist. In seiner Presseerklärung macht der Weinfachverband CIVB keinen Hehl aus den Zielen seiner Kommunikationskampagne, für die in diesem Jahr mit 3,45 Millionen Euro alleine in Deutschland soviel wie noch nie ausgegeben wird. „Ungewöhnliche PR-Maßnahmen“, heißt es da, „sollen überdies auch neuen, potenziellen Weintrinkern der jüngeren Generation die Modernität des Bordeaux-Angebots näher bringen.“ Dabei hätte es der alteingesessene Wein, 57 Appellationen aus dem Südwesten Frankreichs, seit Jahrhunderten weltweit bekannt für seine unverwechselbare Qualität durch das einmalige Zusammenspiel von Boden und Klima in der Region, gar nicht nötig, so donnernd auf sich aufmerksam zu machen. Oder vielleicht doch? Eher verhalten geben die Vertreter des Weinwirtschaftsverbandes Bordeaux zu, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen trotz des anhaltenden Rotweintrends derzeit schwierig sind.

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