Welt : Becker-Prozess: Teure Einigung oder lange Schlammschlacht?

Blitzlichtgewitter, Gedränge, Mikrofone - wo Boris Becker in Miami auch geht oder steht, fast immer ist ein Pulk von deutschen Journalisten um ihn herum. Egal, ob bei der Ankunft am Gericht, beim Gang zum Anwalt oder nach einem vertraulichen Gespräch mit seiner Frau und den Anwälten - die Kameras sind immer dabei. Doch Medienprofi Becker zeigt sich nur selten entnervt und erträgt das Medieninteresse mit scheinbar stoischer Ruhe. "Das bin ich seit 15 Jahren gewöhnt", meinte er zu seinen amerikanischen Anwälten.

Der ehemalige Tennisstar dürfte sich auch kaum über das Medieninteresse beschweren, hat er doch jahrelang selbst die Presse für seine Zwecke eingespannt. "Kaum eine Promi-Party, die Boris nicht für einen schillernden Auftritt mit Babs und die Steigerung seines Werbemarktwertes genutzt hätte", schrieben die "Lübecker Nachrichten". Auch war er es selbst, der die Medien über die Trennung informierte und danach ausführliche Interviews gab.

Teure Einigung oder lange Schlammschlacht? Einen Tag vor der heutigen zweiten gerichtlichen Anhörung in Miami war gestern unklar, ob es überhaupt zum juristischen Showdown zwischen Boris und seiner Ehefrau Barbara kommen würde. Nach der ersten Verhandlung im Bezirksgericht von Miami hatten sich beide mehrmals zu vertraulichen Gesprächen in Anwesenheit ihrer Anwälte getroffen - vermutlich um eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Die "Bild am Sonntag" ("BamS") berichtete sogar, die Anwälte hätten sich als Ziel gesetzt, bis spätestens eine Stunde vor Beginn der Anhörung am Montag um 9 Uhr Ortszeit (15 MEZ) eine Einigung zu präsentieren.

Für den Fall eines Scheiterns dieser Bemühungen hatte Boris aber schon einmal seine Mutter Elvira einfliegen lassen. Sie soll laut "BamS" als Zeugin bestätigen, dass der Lebensmittelpunkt der beiden Becker-Söhne Noah (6) und Elias (1) Deutschland und nicht Florida ist. Es gibt jedoch Anzeichen, dass beide Ehepartner zum Einlenken bereit sind und eine öffentliche Schlammschlacht vor laufenden TV-Kameras vermeiden wollen. So wirkte Boris Becker sichtlich gelassen, als er sich am Freitag nach einem etwa dreistündigen Treffen mit Frau und Anwälten den wartenden Fotografen präsentierte. Noch am Tag zuvor, als ihn der Anwalt seiner Frau, Samuel I. Burstyn, hart ins Kreuzverhör genommen hatte, machte Boris einen sehr angespannten Eindruck und wirkte mitgenommen.

Doch viele Prozessbeobachter sind überzeugt, dass die Anhörung am Donnerstag beiden die Augen geöffnet habe, welch gefundenes Fressen ihr Rosenkrieg für die Medien ist. Vor allem Boris Becker dürfte um sein Image als Werbeträger fürchten, auch wenn seine Werbepartner Mercedes Benz und AOL am Wochenende betonten, die Glaubwürdigkeit und der Marktwert von Boris seien von dem Scheidungsdrama nicht betroffen - noch nicht. Ein möglicher Imageschaden und die Demontage des Idols Becker, wie "Der Spiegel" in seiner Online-Ausgabe schreibt, könnten aber vermutlich schwerer und teurer wiegen, als eine Einigung, die Barbara mit einer großzügigen finanziellen Abfindung ausstatten würde. Boris gibt ihr mehr als die im Ehevertrag vereinbarten fünf Millionen Mark und die Kinder bleiben bei ihr, dafür lässt sie die Klage in Miami fallen und gewährt Boris ein uneingeschränktes Besuchsrecht der Kinder - so könnte eine mögliche Einigung aussehen.Dann könnte man sich vor einem Familiengericht mit mehr Ruhe scheiden lassen - ohne Live-Übertragung aus dem Gerichtssaal.

Boris Becker und seine Geschäftspartner dürften aber auch ein geschäftliches Interesse daran haben, dass der Fall und damit Details über finanzielle Beteiligungen und Marketingstrategien nicht in der Öffentlichkeit breit getreten werden. Außerdem befindet sich Becker nach eigener Aussage seit vier Jahren in einem Steuerstreit mit dem bayerischen Fiskus. Bei einer Offenlegung seiner Finanzen könne die Steuerfahndung mehr herausbekommen, als Becker lieb sei, unterstellte Anwalt Burstyn.

Sollte es aber nicht zu einer schnellen Einigung über die Unterhalts- und Sorgerechtsfragen kommen, wird sich das einstige deutsche Vorzeigepaar an diesem Montag wohl direkt vor Gericht gegenüberstehen. Zudem sollen Elvira Becker, ein Sicherheitsmann und ein Kindermädchen im Sinne von Boris aussagen, dass der Lebensmittelpunkt der Kinder München sei. Er möchte den Fall nach Deutschland holen, Barbara besteht auf Miami als Verhandlungsort. Wie sich Richter Maynard "Skip" Gross dann entscheidet, ist nach Meinung eines in Miami ansässigen deutschen Rechtsexperten völlig offen.

Sollte der Fall in Miami bleiben, so könnte der Prozess viel teurer werden, als eine noch so großzügige Einigung: In den USA könne der Ehevertrag der Beckers viel leichter angefochten werden als in Deutschland, meinte Reus. "Bis zu 50 Prozent des gemeinsam erwirtschafteten Vermögens könnten dann der Frau zugesprochen werden. Und das sollen mehr als 160 Millionen Mark sein.

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