Welt : Bedrohte Tiere: Qual der Wale

Susanne Tenhagen

Gestatten, Brillenschweinswal. Vor Uruguay und Chile rund um Feuerland gleiten die kleinen und lustigen Wale durchs kalte Meer. Ihre Brüder und Schwestern wurden sogar vor Südgeorgien, den Falklandinseln und Neuseeland gesichtet. Vettern und Tanten der weitverzweigten Familie der Zahnwale, zu denen auch die Delfine gehören, tragen Namen wie Burmeister-Schweinswal, oder Dall-Hafenschweinswale. Ihre Zungen würden denen der Schweine gleichen, heißt es. Daher als der Name. Es kann aber auch an der enormen Speckschicht liegen, dass da eine Verwandtschaft suggeriert wird, wo eigentlich gar keine ist. Schließlich sind die Meerestiere exzellente Schwimmer und bis zu 20 Stundenkilometer schnell. Sie sind elegant und geschmeidig, und vom Aussterben bedroht.

Schweinswale in der Nordsee wird es bald nicht mehr geben. Jedes Jahr verenden sie auf elende Weise in den Netzen der Fischer. Sie können, wenn sie sich darin verfangen nicht mehr auftauchen und ersticken. 7000 Nordseewale sterben jedes Jahr für Fischfilets. Die Wale gelangen tot oder schwer verletzt an Bord der Schiffe und werden ins Wasser zurückgeworfen. "Jahrelang ist nichts zum Schutz der etwa 170 000 Wale, die in der Nordsee leben, getan worden, obwohl die Bedrohung der Tiere lange bekannt ist", sagt Holger Wesemüller vom WWF-Deutschland. Wir haben jetzt die Studie "Frische Fische-Tote Wale" vorgestellt und fordern eine deutliche Umstellung der Fischereipolitik. Wir haben uns an Umweltminister Trittin und Fischereiministerin Künast gewandt und erwarten, dass sie hier eine aktive Rolle spielen werden. Es müssen Schutz- und Schongebiete für Schweinswale ausgewiesen werden. Die Fischereimethoden sind veraltet und die Meere überfischt. Außerdem sollte das Thema unbedingt auf der Internationalen Nordseekonferenz im März 2002 in Norwegen zur Sprache kommen." Am Sonntagmorgen um halb sieben wird es eine Protestaktion des WWF auf dem Hamburger Fischmarkt geben. Von Bord eines Segelschiffes wird demonstrieren, wie sich die Tiere in den Netzen verfangen. Die Aktion ist teil einer bundesweiten Kampagne, die der WWF nach Veröffentlichung der Studie gestartet hat. Elke Heidenreich, Johannes B. Kerner, Franz Alt und Sissi Perlinger unterstützen die Aktion bereits. Jeder kann sich unter www.wwf.de an einer Unterschriftenaktion zu Rettung der Schweinswale in der Nordsee beteiligen. Damit die Wale auch in Zukunft atmen können.

Jogurt für die Kleinen

Bis jetzt holen sie noch vier mal in der Minute Luft und schaufeln mit einem einzigen Atemzug 90 Prozent Frischluft in ihre Lungen (beim Menschen sind es nur 15 Prozent). Sechs Minuten können die Schweinswale unter Wasser bleiben und tauchen dabei bis zu 70 Meter tief. Jedes Jahr in Juni kommt die Zeit, in der die Walmütter gebären. Die Kleinen rutschen mit dem Schwanz zuerst auf die Welt. Der Kopf kommt zuletzt. So kann der acht Kilogramm leichte Winzling von etwa einem Meter Länge, gleich nach der Geburt auftauchen und Luft schnappen. Und dann geht es ab in die Tiefen der Meere. Acht Monate lang dürfen sie nun Mamas Walblub genießen. Ein fetter Jogurt, der dem Baby direkt in den Rachen gespritzt wird. Mama muß sich dafür nur ein wenig auf die Seite rollen.

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