Beerdigung : Michael Jackson - Endlich Ruhe

Es war ein königlicher Abschied: 70 Tage nach seinem überraschenden Tod wurde Michael Jackson gestern Abend endlich zu Grabe getragen. Diesmal allerdings im engsten Familien- und Freundeskreis – aber ein Vertrauter twitterte.

Rita Neubauer[Los Angeles]
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JACKSON FAMILY

Fans, Paparazzi und Kamerateams waren unerwünscht. Seine letzte Ruhe fand der „King of Pop“ auf dem Forest Lawn Memorial Park in Glendale nahe Los Angeles – mehr Park als Friedhof, mit hundert Jahre alten Eichen und prunkvollen Gebäuden.

Kurz bevor die Sonne die letzten Strahlen über den sattgrünen Rasen schickt, treffen die ersten der rund 200 Trauergäste in schwarzen Limousinen ein. Darunter Jacksons engste Freundin Liz Taylor sowie Macaulay Culkin, Jacksons Ex-Frau Lisa-Marie Presley, Barry Bonds und der Bürgerrechtler Reverend Al Sharpton. Auf jedem der weißen Klappstühle liegt ein neunseitiges Programmheft. Auf dem Cover das lachende Gesicht von Michael Jackson. Draußen, außerhalb des Friedhofs, trotzen mehrere hundert Fans der Aufforderung der Polizei, die Beisetzung zu Hause am Fernseher zu verfolgen. Eine Frau reicht einem Geladenen einen kümmerlichen Blumenstrauß durchs Autofenster mit der Bitte, ihn am Sarg abzulegen. „Sie sehen nicht nach viel aus, aber sie kommen von Herzen“, sagt sie.

Die Luft ist schwülfeucht und getränkt mit Rauchpartikeln von den Waldbränden, die nördlich der Stadt wüten. Schließlich, mit erheblicher Verspätung, trifft die Jackson-Familie ein – mit Stil in fünf angemieteten Rolls-Royce Phantoms: Seine Mutter Katherine, die den Prominentenfriedhof auswählte, Vater Joe mit Hut, seine Geschwister, dunkle Sonnenbrille, der gleiche dunkle Anzug mit roter Rose am Revers und einen weißen Handschuh an der rechten Hand. Gefasst nehmen seine drei Kinder, Prince Michael I (12), Paris (11) und Prince Michael II (7), auch „Blanket“ genannt, in der ersten Reihe Platz. Als der Vollmond am Himmel steht, wird der vergoldete Sarg, übersät mit weißen Blumen, von den Jackson-Brüdern auf eine kleine Bühne getragen. Die Kinder, die bei Großmutter Katherine aufwachsen sollen, haben ihm Briefe beigelegt. „Daddy, wir lieben dich. Wir vermissen dich“ soll darauf stehen, verriet Bruder Marlon. Auch sein berühmter weißer Handschuh wird die Ewigkeit mit ihm teilen. „Das ist Michaels letzter Auftritt, sein ’last call’. Seine Hülle wird verschwinden, aber sein Geist lebt weiter“, sagte Marlon vor der Beerdigung.

Während die Familie bis kurz vor Beginn der Trauerfeier eine TV-Übertragung zuließ – angeblich gegen viel Bargeld –, findet die Feier selbst unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch der Luftraum über dem Memorial Park ist gesperrt. Die Zeremonie ist kurz, 45 Minuten. Die Gospelsängerin Gladys Knight („Midnighttrain to Georgia“) tritt auf und widmet ihm einen letzten Song. Sie singt die Hymne „Our Father“. Danach können Trauergäste ans Mikro treten und ihre intimen Erinnerungen teilen. Auch Reverend Al Sharpton ergriff das Wort, er hatte schon bei der Trauerfeier im Staples Center gesprochen. Danach war sein Mitteilungsdrang offenbar noch nicht gestillt und er twitterte via Blackberry in seinen Micro-Blog: „Ich habe gerade am Ende der Trauerwünsche gesprochen. Gladys Knight hat aus tiefem Herzen gesungen. Nun machen wir uns bereit, ihn zur letzten Ruhe zu geleiten“.

Inzwischen steht fest, dass der erst 50-jährige Jackson am 25. Juni einem Tötungsdelikt zum Opfer fiel. Das starke Narkosemittel Propofol soll zu einer „akuten Vergiftung“ des Popstars geführt haben. Gegen Jacksons Leibarzt Conrad Murray wird seit Wochen ermittelt, eine Anklage wurde noch nicht erhoben.

Der „King of Pop“ wird die Ewigkeit mit Old Hollywood teilen. Clark Gable, Jean Harlow und Walt Disney liegen ebenfalls im auch „Hochsicherheitstrakt“ genannten Großen Mausoleum. Eine Sicherheitsfirma lässt nur autorisierte Personen zu den Toten. Jacksons Familie soll für den Verstorbenen angeblich zwölf Grabstätten auf dem Friedhof gekauft haben. Die „außergewöhnlich hohen Ausgaben“ für die Bestattung werden aus dem Erbe gedeckt, hieß es. 150 geladene Gäste fuhren nach der Beerdigung in das nahe gelegene Pasadena, um dort in einem italienischen Restaurant das letzte Mal auf Michael Jackson anzustoßen.

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