Welt : Begehrte Stahlscheiben

RITA NEUBAUER

MEXICO-STADT .Wozu sind Kanaldeckel da? Um die Kanalisation abzudecken, natürlich.Um Spaziergänger vor einem unliebsamen Sturz in die Unterwelt des urbanen Dschungels zu schützen.Warum nicht.Um Arbeitern den Zugang zu selbiger Unterwelt zu erleichtern.Auch das.

Alles rationale Gründe, warum eine Stadt wie Mexiko-Stadt - oder sagen wir, jede Stadt - tausende dieser Kanaldeckel zieren.Sie werden nicht einmal wahrgenommen im alltäglichen Chaos betriebsamer Geschäftigkeit.Bis sie fehlen! Und genau dies passiert dieser Tage in einer der größten Metropolen der Welt.Kanaldeckel verschwinden.Über Nacht.13 Stück pro Tag, meldet eine mexikanische Tageszeitung, lösen sich in Luft auf.Nun nicht ganz.Denn es ist kein Akt höherer Gewalt, sondern niederer Beweggründe.Skrupellose Typen klauen sie einfach, um sie bei Recycling-Firmen einzuschmelzen.Der Kanaldeckelklau ist, auch wenn dies seltsam klingen mag, nichts allzu Neues.In Nicaragua, einem der ärmsten Länder der Hemisphäre, ging er schon einmal um.Auch hier vergriffen sich Langfinger statt an Autos, Handtaschen oder sonstigen beweglichen Objekten an den Gullys.

Wie lange dieses Phänomen anhielt, ist schwer zu sagen.Doch auch damals fragten sich Beobachter, ob die allgemeine Misere sich wirklich derart degenerativ auswirken könne, daß sich Firmen dazu hergeben, entwendete Kanaldeckel einzuschmelzen.Abhilfe tut Not, fordern deshalb die Hauptstädter.Den Behörden fiel dazu bislang nur eines ein: das Objekt der Begierde vielleicht aus Spezialkunststoff herzustellen.Mal sehen, auf was sich die modernen Strauchdiebe dann verlegen.

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