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Begründer des „Musikantenstadl“ : Karl Moik im Alter von 76 Jahren gestorben

Karl Moik war der Inbegriff der Volksmusik. Mit dem „Musikantenstadl“ verkörperte der Österreicher die Schunkelwelt wie kaum ein Zweiter. Nun ist Moik im Alter von 76 Jahren gestorben.

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Entertainer Karl Moik.
Entertainer Karl Moik.Foto: dpa

Seine Autobiografie hat Karl Moik mit „Ich habe nichts geschenkt bekommen“ überschrieben. Das war so aufrichtig wie seine stets gute Laune im „Musikantenstadl“. Er hatte die Sendung erfunden, mit ihr ist der Österreicher beliebt, populär und wohlhabend geworden. Der Weg zum TV-Ruhm war jedoch ungerade und steinig.

Geboren am 19. Juni 1938 in Linz wuchs er in bescheidenen Verhältnissen in Hallein bei Salzburg auf. Seine Mutter, Sekretärin in einer Papierfabrik, musste die Familie alleine durchbringen. Den Vater lernte Moik erst mit fünf Jahren kennen, gemischt müssen die Gefühle und Erfahrungen gewesen sein, wenn er von seinem Sohn als „Musiker, Hallodri und Windhund“ charakterisiert wurde. Aber das mit der Musik, das kam eben vom Vater, das mit Hallodri und Windhund hat Moik zunächst in Freizeit und Abend geschoben. Moik lernte Klavier und Akkordeon, war Klassenclown. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Werkzeugmacher, später als Vertreter für Öfen, Kopiergeräte und Fernsehantennen. Mit dem Jazz-Trio „Jolly Austrians“ tingelte er durch Europa.

Das mit der Musik konnte er längst, jetzt kam die Learning-by-Doing-Ausbildung zum Unterhalter dazu. Jazz war das eine, volkstümliche Musik das erfolgreichere Genre, bald arbeitete er für das Radio des Österreichischen Rundfunks. 1973 konzipierte Moik die „Volkstümliche Hitparade“, sieben Jahre später die Fernsehshow „Musikantenstadl“, bald auch vom Schweizer Fernsehen und vom ZDF übernommen. Der „Stadl“, ein Potpourri populärer Musik von Tschingdarassabum über Schlager bis Operette, wuchs sich aus zum riesigen Erfolg, bis zu 20 Millionen Zuschauer wurden weltweit je Ausgabe eingesammelt. Family Business: Seine Frau Edith managte die Karriere ihres „Karli-Buam“, Sohn Wolfgang führte Regie, nur Tochter Evelyn hielt still.

"Es stadelte bald überall"

Gefolgschaft war eine Reaktion, Feindschaft die andere. Fans feierten Moik als Schutzpatron deutschen Liedguts, seine Gegner ereiferten sich über die schunkelnde Spießigkeit und verwiesen mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den Fake-Charakter dieser Volksmusikseligkeit. Stimmt schon, die Sendung bot reinstes Vollplayback, Moiks Moderation und Scherzkompetenz scheuten nicht jede Peinlichkeit. Aber Moik konnte alle Kritik ertragen. Mit dem „Musikantenstadl“ hatte er eine Marke geschaffen, die sich global kapitalisieren ließ: Russland, Kanada, Südafrika, Peking, gleich nach der Maueröffnung in der DDR. Die Kritik blieb sein Begleiter. Worüber sich Moik mehr ärgerte, war, dass er den Titel nicht hatte schützen lassen; es „stadelte“ bald überall.

Moiks Gesundheit blieb prekär. Herzinfarkt 2004, Aussetzen mit der Moderation, Mitte 2005 wollten die Sender den Vertrag nicht verlängern. Der heute 54 Jahre alte Schlagersänger Andy Borg übernahm damals den „Musikantenstadl“. „Ab einem gewissen Alter drängt die Jugend nach, und dann geht man“, sagte Moik rückblickend. Mitte des Jahres steht nun der nächste Wechsel beim „Stadl“ an: Auch Borg verlässt die Sendung. Wer ihm nachfolgt, steht noch nicht fest.

Moik moderierte nach seinem Ende beim "Musikantenstadl" kurz eine Reisesendung für den ORF. Genau zehn Jahre nach seinem ersten Herzinfarkt erlitt er am Rosenmontag wiederum in Köln einen weiteren Herzinfarkt, von dem er sich nicht mehr erholte. Am Donnerstag ist Karl Moik im Alter von 76 Jahren in Salzburg gestorben.

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