Welt : Behörde gibt im Fall Lea-Sophie Fehler zu

Schwerin - Gut zwei Monate nach dem Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie hat die Schweriner Stadtverwaltung Fehler zugegeben. Dezernent Wolfram Friedersdorff (Linke) sagte am Montag: „An bestimmten Punkten hätte man anders handeln können und müssen“. So hätten die Mitarbeiter des Jugendamtes nach Hinweisen des Großvaters auf mögliche Entwicklungsrückstände des Mädchens zu Ende ermitteln müssen. Das sei unterblieben. Lea-Sophie war am 20. November in Schwerin verhungert. Die Eltern sitzen in Untersuchungshaft. Der Großvater hatte bereits ein Jahr zuvor das Jugendamt das erste Mal wegen Lea-Sophie um Hilfe gebeten.

Mitarbeiter des Amtes schrieben Friedersdorff zufolge Briefe an die Eltern und boten Hilfe an. Darauf habe es jedoch keine Reaktion gegeben, und das Amt habe es dabei bewenden lassen. Friedersdorff gab allerdings zu bedenken, dass eine solche Prüfung zum damaligen Zeitpunkt möglicherweise keine Vernachlässigung des Mädchens ergeben hätte. „Die akute Kindswohlgefährdung trat nach meiner Einschätzung wohl nach der Geburt des zweiten Kindes ein“, sagte Friedersdorff. Lea-Sophies kleiner Bruder wurde erst wenige Wochen vor ihrem Tod geboren.

Friedersdorff hatte vor eineinhalb Wochen das Jugendamt von Dezernent Hermann Junghans (CDU) übernommen, der zunehmend unter Druck geraten war. Junghans hatte wiederholt betont, im Jugendamt seien im Fall Lea-Sophie keine Fehler gemacht worden.

Am kommenden Mittwoch soll der Schweriner Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) im Sozialausschuss des Landtags zu dem Fall Stellung nehmen. Er habe seine Teilnahme zugesagt. Claussen hatte nach dem Tod des Kindes von „Pech für die Stadt“ gesprochen. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar