Welt : Behörden wussten von Gammelfleisch Grüne werfen Seehofer

Untätigkeit vor

Berlin/München - Die Existenz von Gammelfleisch in einer bayerischen Firma war den Behörden einem Fernsehbericht zufolge schon seit längerem bekannt. Wie das Magazin „Zeitspiegel“ des Bayerischen Fernsehens am Mittwoch berichtete, hatten die Behörden schon vor etwa zwei Wochen Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in der Wertinger Firma bekommen. Ein Nachbar habe damals das Veterinäramt des Landratsamts Dillingen über verdächtige Fleischlieferungen informiert. Die Sprecherin des Bundesverbraucherministeriums, Ulrike Hinrichs, sagte AFP, das Ministerium habe diesen Bericht zur Kenntnis genommen und prüfe jetzt die Vorgänge.

Gegenüber dem BR räumte das Veterinäramt des Landratsamtes Dillingen ein, trotz dieser Informationen keine unangemeldete Kontrolle des Betriebs Wertfleisch vorgenommen zu haben. Ein Lebensmittelkontrolleur habe lediglich auf dem Nachhauseweg den Betrieb von außen mehrfach beobachtet, ohne dass ihm Verdächtiges aufgefallen sei.

Der Dönerhersteller habe das Fleisch außer nach Berlin auch an Dönerbuden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Hamburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein geliefert. Gegen den Hersteller werde nicht ermittelt. Er habe das Fleisch allerdings zu einem Preis „an der unteren Grenze“ eingekauft. Verbraucherstaatssekretär Gert Lindemann hatte der „Passauer Neuen Presse“ vom Mittwoch nach Bekanntwerden des Skandals gesagt, der Fall habe gezeigt, „dass die Mechanismen gegen Handel mit Gammelfleisch funktionieren“. Hinrichs betonte am Abend, diese Äußerungen habe Lindemann vor der Veröffentlichung des Fernsehberichts gemacht. Sie fügte hinzu, dass das Verbraucherschutzministerium nach den vorangegangenen Gammelfleischskandalen mehrere gesetzgeberische Maßnahmen eingeleitet habe, unter anderem das Verbraucherinformationsgesetz. Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Ulrike Höfken, nannte Seehofer dagegen „untätig“ beim Verbraucherschutz. Seehofer habe beim Verbraucherinformationsgesetz die Chance verpasst, für Transparenz und Offenlegung von Missständen zu sorgen. AFP

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