• Bei den Hannoveranern erwacht einen Monat vor Beginn der Weltausstellung die Begeisterung

Welt : Bei den Hannoveranern erwacht einen Monat vor Beginn der Weltausstellung die Begeisterung

Klaus Wallbaum

Die Hannoveraner sind für ihre typisch norddeutsche Art bekannt: Man zeigt seine Freude nicht offen, tanzt nicht begeistert auf der Straße und jubelt nicht lauthals. Die Leute hier sind nüchterner, distanzierter und auch direkter als in anderen Gegenden der Bundesrepublik. Bedenkenträger haben oft Konjunktur. Jahrelang wurde die Weltausstellung Expo 2000 in Hannover kühl aufgenommen. Erst seit einigen Wochen ist so etwas wie Euphorie spürbar.

In Hannover kann man das vor allem an einem Ort sehen: dem sogenannten "Post- Turm". Die Post hat unweit des Deutschen Pavillons ein großes gelbes Gebäude errichtet, im Erdgeschoss bietet ein Postamt Dienste an. Besucher können mit einem Fahrstuhl bis in die neunte Etage fahren und dort von einer Aussichtsplattform aus das Expo-Gelände bewundern. Vor allem die Pavillons der Nationen im Ostteil des Geländes werden von hier aus zu sehen sein. Derzeit jedoch - Anfang Mai - sind die meisten Gebäude noch Baustellen.

Tausende Besucher kommen täglich zum Post-Turm und genießen die Aussicht. Wer mehr sehen und die bereits fertigen Gebäude wie etwa den Deutschen Pavillon besichtigen will, wird derzeit abgewiesen: Seit einigen Wochen ist das Expo-Gelände komplett abgesperrt und bewacht. Außer den Bauarbeitern und Leuten mit spezieller Zugangsberechtigung kommt niemand auf das Gelände - obwohl viele das wollen.

Den Deutschen Pavillon, der von manchen Architekturkritikern heftig gescholten wird, kann man vom Post-Turm äußerlich genau erkennen. Er könnte wegen seiner eigenwillig gebogenen Glaswände durchaus so etwas wie ein Wahrzeichen der Expo werden. Gleiches gilt für den "Planet M" genannten Pavillon des Bertelsmann-Verlages: Eine große ovale Kugel auf Stelzen, die nachts in verschiedenen Farben strahlen soll. Im Inneren sollen die Besucher später eine "futuristische Zeitreise" erleben. Auch andere Länder zeigen Gesicht: Holland beispielsweise stapelt mehrere Landschaften übereinander. Die Vereinigten Arabischen Emirate bauen ein Wüstenfort auf und lassen dafür Sand und Kamele aus der Heimat einfliegen. Bhutan zeigt einen Tempel.

Zwar bleibt in Hannover immer noch ein Rätsel, was die Expo denn nun genau sein wird: Ein Spektakel mit vielen Multi-Media-Shows, eine gigantische Tourismuswerbung für die Teilnehmerländer, ein Zukunftsszenario zur Überbevölkerung, Rohstoffknappheit und wachsender Schere zwischen Armen und Reichen? Offenbar von allem ein bisschen. Aber wenn auch die Inhalte noch verschwommen bleiben, so schälen sich doch immerhin die Formen deutlich heraus - die Gebäude werden von Tag zu Tag sichtbarer. Und die niedersächsischen Grünen, seit Jahren Expo-Gegner, haben vor wenigen Wochen nun eine Sprachregelung gefunden: Sie wollen die Ausstellung fortan "kritisch begleiten", heißt es. Das klingt freundlich.

Beispielhaft dafür, dass Hannover erst langsam mit der Weltausstellung warm werden musste und weiterhin muss, können die kleinen Rangeleien zwischen der Stadt und der Expo-Gesellschaft sein. Vor Jahren schon beklagten sich die Macher der Weltausstellung, wie kleinlich sich die Stadtverwaltung mit Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) an der Spitze verhalte: So gab es strenge Auflagen der Stadt, als der 1000. Tag vor dem Start der Expo mit einem großen Feuerwerk und musikalisch unterlegten Lichtspielen auf dem Maschsee gefeiert wurde. Ein heftiges Gerangel begleitete die Frage, ob und wenn ja wo die Fahnen der an der Expo teilnehmenden Staaten aufgehängt werden sollen - vor dem Opernhaus, wie zunächst geplant, oder vor dem Rathaus, wie es die Stadt gestattete.

Oberbürgermeister Schmalstieg selbst bewies jüngst wenig Sinn für Takt, als er sich weigerte, das hannoversche Gästebuch aus dem Rathaus auszuquartieren und auf dem Expo-Gelände auszulegen. Ein entsprechender Wunsch der Expo war gut begründet: Viele Staatsgäste kommen zur Expo, müssten aber Zeitverluste in Kauf nehmen, wenn sie den Weg von dort durch die überfüllten Straßen bis zum Rathaus zurücklegen sollten, um sich dort im Goldenen Buch zu verewigen. Schmalstieg jedoch lehnte das ab und verstieg sich zu einer Randbemerkung, die für Aufsehen sorgte: Es sei nicht üblich, das Gästebuch "aufs nächste Klo zu tragen". Daraufhin sollen die Generalkommissare der Teilnehmerstaaten den Staatsgästen empfohlen haben, das Rathaus bitteschön zu meiden - weil die Zeitpläne sonst durcheinander geraten könnten.

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