Welt : Belagerungszustand auf den Feldern

ULRIKE HOFSÄHS (dpa)

Bislang keine Spur vom Meckenheimer GeiselgangsterVON ULRIKE HOFSÄHS (dpa) BONN."Zuerst habe ich gedacht, es würde sich um einen Aprilscherz handeln", sagt Adrian Engel.Der Betriebsleiter der "Obstversuchsanlage Klein-Altendorf" hat das nächtliche Drama um die vermeintliche Geiselnahme hautnah miterlebt. Das Gut der Universität Bonn inmitten blühender Obstbäume am Rande von Meckenheim war am Mittwoch abend Sammelpunkt für ein Großaufgebot der Polizei.150 Meter weiter, in einem ehemaligen Aussiedlerhof, vermutete die Einsatzleitung den 28jährigen Untersuchungshäftling Mehmet K., der sich wenige Stunden zuvor vor dem Bonner Polizeipräsidium mit Waffengewalt freigepreßt hatte.An einer Ampel war der mit Handschellen gefesselte Häftling aus dem Polizeifahrzeug gesprungen und hatte einen Pkw-Fahrer mit vorgehaltener Schußwaffe gezwungen, ihn ins rund 15 Kilometer entfernte Meckenheim fahren.Dort verließ er Fahrzeug und Geisel und flüchtete zu Fuß weiter. Daß der als gewalttätig beschriebene Mann weitere Geiseln in seiner Gewalt hatte, wollte die Polizei in der Nacht nicht ausschließen.Schließlich hatte der Türke sich per Handy bei der Polizei gemeldet, als ein Polizeihubschrauber den weißen Bungalow überflog.Er forderte die Beamten auf, sofort den Hubschrauber zurückzuziehen, da er sonst eine Geisel erschießen würde. Weitere Kontakte mit dem Vorbestraften habe es dann nicht mehr gegeben, betonte Polizeisprecher Markus Tölle.Ziel des Einsatzes sei es gewesen, "die Lage ruhig und statisch zu halten".Derweil wurden die Parkplätze der Umgegend zu Umkleidekabinen: Die Mitglieder der Sondereinsatzkommandos legten zu Dutzenden kugelsichere Westen und Helme an. Wie eine touristische Sehenswürdigkeit klapperten die Anwohner den ganzen Abend hindurch die geteerte Einfahrt an der Kreisstraße ab, wo sich hunderte Meter vom vermeintlichen Ort des Geschehens Medien und Polizei versammelt hatten."Aufregend" fand das eine Frau, die stundenlang Zaungast war.Immer wieder reckten die Schaulustigen die Hälse, um nur nichts zu verpassen.Doch nur das Licht von Autoscheinwerfern blinkte am dunklen Horizont auf. Als das 22 Hektar große Gelände schon acht Stunden lang abgeriegelt war, kündigte die Polizei schließlich eine Erklärung im Anschluß an eine Durchsuchungsaktion an."Es wurde weder der Täter aufgegriffen noch eine Geisel", offenbarte Tölle den verblüfften Wartenden.Inzwischen schloß ein Polizeisprecher aus, daß der Gesuchte sich jemals in dem Gebäude gefunden habe. Die Frage, wie ein Mann, der seit 18 Stunden in Polizeigewahrsam und obendrein gefesselt war, mitten in einem Polizeiauto eine eigene Waffe zücken konnte, blieb unbeantwortet."Es war für uns auch ein außergewöhnlich überraschendes Moment, daß der Mann eine Waffe zog", formulierte der Sprecher.

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