Welt : Bella Hannover

Kanzler Gerhard Schröder bleibt im Urlaub zu Hause. Sechs Gründe, warum seine Entscheidung richtig ist

Klaus Wallbaum[Hannover]

Ausgerechnet Hannover, bedauern nun viele den Kanzler. Ausgerechnet hier muss Gerhard Schröder nach der Absage seiner Toskana-Reise seinen Urlaub verbringen. Gewiss, Hannover ist nicht Florenz. Aber eben auch nicht Bottrop. Hannover bietet mehr, als viele meinen. Die Stadt lohnt eine Reise – oder das Hierbleiben. Aus sechs Gründen:

Hin und weg. Hannover liegt günstig. In anderthalb Stunden ist man in Hamburg oder in Berlin, die Bahnverbindungen sind gut, die Autobahn ist rund um die Stadt dreispurig, einen Flughafen gibt es auch.

Regen. Hannover hat häufig schlechtes Wetter. Das erleichtert die Urlaubsplanung. Man braucht sich nicht die Mühe zu machen und nach Sehenswürdigkeiten zu suchen. Am besten man bleibt zu Hause. Das schont auch das Nervenkostüm.

Staunen. Hannover hat eine Altstadt, die Herrenhäuser Gärten und – vor allem – den Zoo, der bundesweit zu den schönsten gehört. Dass der Eintritt immens ist, muss nicht von Nachteil sein. Denn Kanzler Schröder will doch den Konsum ankurbeln. Hier kann er Vorbild sein.

Lässigkeit. Schröder war hier acht Jahre lang Ministerpräsident, bevor er Kanzler wurde. Weil die Menschen ihn einzuschätzen wissen, sind viele möglicherweise auch nicht so enttäuscht von seiner Politik. Ihre Erwartungen waren einfach niedriger als im übrigen Deutschland. Einer wie Schröder kann hier ungestört durch die Fußgängerzone gehen. Man nimmt ihn, wie er ist.

Demokratie. Hannover ist die Stadt, in der die beste Verbindung zwischen Wählern und Gewählten besteht. Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg ist seit 31 Jahren im Amt. Er hat in dieser Zeit fast jeden Hannoveraner persönlich kennen gelernt. Näher sind sich Politik und Bürger nirgendwo.

Bella Italia. Hannover ist ein Stück Italien. Als der Kanzler noch Landespolitiker war, liebte er die italienischen Lokale in der Stadt. Häufig lud er sogar die Journalisten zu Hintergrundgesprächen dahin ein. Eines, das Schröder mochte, liegt direkt hinter dem Sprengel-Museum, zehn Autominuten vom Kanzlerhaus weg. An lauen Sommerabenden kommt hier fast italienisches Flair auf – denn man kann von dort über den Maschsee blicken. Ein Schlückchen Rotwein dazu, schon ist man gedanklich in Rimini. Mindestens. Mag sein, dass manchmal der Straßenlärm stört, aber klingt das dann nicht wie Neapel? Vielleicht aber folgen nicht alle Schröders Beispiel. Und fahren in den Süden. Dann wird es wieder leiser.

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