Benimmschule für Iren : Wie begrüßt man die Queen?

Die Iren haben ein gespanntes Verhältnis zur britischen Krone und ihren Vertretern. Beim Besuch von Elizabeth II. in Dublin hatten sie Angst vor unterwürfiger Höflichkeit. Doch die Queen ist gar nicht so anspruchsvoll.

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Eine unmissverständliche Botschaft an Königin Elizabeth II. Diese Irin heißt das britische Staatsoberhaupt bei seinem Besuch auf der Grünen Insel ausdrücklich "nicht wilkommen".Weitere Bilder anzeigen
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18.05.2011 13:27Eine unmissverständliche Botschaft an Königin Elizabeth II. Diese Irin heißt das britische Staatsoberhaupt bei seinem Besuch auf...

Beim Staatsbesuch der Queen in Irland wurde die Frage, wie die Queen angemessen begrüßt wird, mit besonderer Bänglichkeit debattiert. Iren, die sich von den Engländern Jahrhunderte lang gedemütigt fühlen, haben besonders intensive Konflikte zwischen republikanischem Stolz und der Höflichkeit. So schrieb ein John Gorman aus Dublin an die Irish Times. „Ich hoffe, kein Ire stellt uns bloß, indem er sich vor irgend einer königlichen Person aus irgend einem Land verneigt oder knickst“.

Der stellvertretende Regierungschef Eamon Gilmore verkündete schon im voraus, dass er sich kein bisschen Verneigen werde. Als die Queen dann kam, konnte man beobachten, dass viele Iren aus Angst vor Verstößen gegen das republikanische Protokoll lieber über die 1,60 Meter große Dame hinwegsahen, als sich ein bisschen zu ihr ihr hinunterzubeugen und somit die Gefahr eines republikanischen Protokollverstoßes auf sich zu nehmen.

Die Queen nimmt solche Dinge aber „extrem gelassen“. Eine Queen zu begrüßen ist viel einfacher und das „Protokoll“ viel entspannter und weniger katzbucklig als übereifrige Untertanen oder glühende Republikaner sich das einbilden.

Der Buckingham Palast selbst beantwortet die Frage, „Wie begrüßt man eine Queen“ ganz offiziell auf seiner Website so: „Es gibt keine verpflichtenden Verhaltensregeln – einfach nur höflich“. Dann allerdings heißt es: „Viele Menschen wollen sich an die traditionelle Form des Grüßens halten. Für Männer bedeutet das eine Verbeugung des Nackens (mit dem Kopf) während Frauen einen kleinen Knicks machen. Andere ziehen es vor, einfach nur wie gewohnt die Hand zu reichen“.

Die Frau des damaligen Premiers Tony Blair, Cherie, machte fast noch mehr Aufhebens als die Iren von der Tatsache, dass sie „nie vor der Queen knickse“ – was in Wahrheit die wenigsten Frauen tun. Aber nach allem was man weiß, war dies der Queen ganz besonders egal.

Dann wird noch daran erinnert, dass die korrekte Anrede der Queen beim ersten Mal „Ihre Majestät“ und dann in der Folge einfach nur „Ma’am“ ist. Deutsche müssen besonders aufpassen, dass sie das nicht mit einem kurzen Vokal so aussprechen, dass es wie „Mum“ für Mama klingt.

Als unhöflich gilt, die Queen anzusprechen. Auch übersprudelnde Iren müssen warten, bis sie angesprochen werden, denn die königliche Konversation ist knapp. Und der Queen die Hand auf die Schultern zu legen oder ihre Hände zu tätscheln wäre ein ganz besonderer Fauxpas.

Als Michelle Obama der Queen die Hand auf den Rücken legte, stand die britische Presse Kopf. Aber höchste Quellen versicherten, es habe sich keineswegs um einen Protokollverstoß sondern ein Zeichen außergewöhnlicher Sympathie gehandelt. Die Queen selbst habe das ungewöhnlicherweise initiiert, indem sie ganz zeitgemäß, ihre Sympathie für die amerikanische Präsidentengattin taktil zum Ausdruck brachte.

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