Welt : Benzin-Proteste: Mallorca fährt wieder

Ralph Schulze

Zehntausende von Touristen auf Mallorca können aufatmen: Die Tanklaster rollen wieder über Europas beliebteste Urlaubsinsel, und an den Tankstellen gibt es seit Donnerstag wieder Benzin. Die Rettung kam von einer Hundertschaft der Polizei, die mit Kampfausrüstung und einer Flotte von Abschleppwagen vor dem zentralen Treibstofflager bei Palma de Mallorca aufmarschierte. Angesichts dieses Aufgebots der Staatsgewalt brachen die Bauern und Fischer der Insel ihre seit Tagen andauernde Blockade des zentralen Treibstofflagers ab.

Danach war die gesamte rollenden Tanker-Flotte der Insel am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag im Einsatz, um die Tankstellen der Insel wieder mit Sprit zu versorgen. Fast alle Zapfstellen der Insel waren am Mittwoch zwangsweise geschlossen, nachdem ihnen wegen der Blockade Benzin und Diesel ausgegangen waren. An den Tankstellen war es zu chaotischen Szenen gekommen: In kilometerlangen Schlangen warteten Autofahrer darauf, vielleicht doch noch ein paar Tropfen Benzin zu bekommen. Auf den Landstrassen und in den Städten kam es wegen der Benzinschlangen zu gigantischen Staus - auch wegen Autos, die mit leeren Tanks mitten auf den Straßen liegenblieben. Zigtausende von motorisierten Touristen lagen wegen des Benzinstreiks auf Mallorca fest. Teilweise musste die Polizei jene Tankstellen beschützen, die noch Reserven hatten, damit wenigstens die Rettungsfahrzeuge und öffentlichen Busse mit Treibstoff versorgt werden konnten.

Während sich auf Mallorca die Lage am Donnerstag trotz langer Staus vor den Tankstellen langsam wieder normalisierte, spitzte sich die Situation an den Mittelmeerküsten der Costa Brava und Costa del Sol zu. Hier ging wegen der Blockaden den ersten Tankstellen das Benzin aus. Besonders kritisch war die Lage in der katalonischen Hauptstadt Barcelona, wo schon die ersten Zapfstellen schließen mussten.

Auch wenn Spaniens Regierung am Donnerstag mit einem Teil der Bauernorganisationen eine Einigung erzielte, ist eine Entspannung der Lage nicht in Sicht. Anfang Oktober wollen nun mehr als 100 000 Spediteure und Taxifahrer die Stadtzufahrten und Autobahnen des Landes blockieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben