• Bereits in der Nacht nach der Naturkatastrophe waren die ersten deutschen Organisationen vor Ort

Welt : Bereits in der Nacht nach der Naturkatastrophe waren die ersten deutschen Organisationen vor Ort

Armin Lehmann

Bereits in der Nacht nach dem verheerenden Erdbeben waren die ersten ausländischen Helfer in der Türkei. Vor allem die Deutschen waren schnell, so dass beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz (DRK), aber auch die Johanniter oder der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) mit speziellen Hundestaffeln nach Verschütteten suchen konnten. Insgesamt unterstützen die Türkei rund zwanzig Staaten und Organisationen mit Geldern oder Hilfslieferungen und über 1000 Mitarbeitern vor Ort. Dabei ist das Ausmaß der Katastrophe noch überhaupt nicht abzusehen, denn das betroffene Gebiet umfasst rund 100 Kilometer mit einer Bevölkerung von 30 Millionen Menschen.

Etwa 72 Stunden nach einer Katastrophe, so wissen Experten, hat ein Verschütteter kaum noch Chancen, lebend geborgen zu werden. In Deutschland steht deshalb eine Spezialtruppe bereit, innerhalb von Stunden weltweit in Erdbebengebiete zu fliegen und nach den Opfern unter den Trümmern eingestürzter Häuser zu suchen. Die "Schnelleinsatzeinheit für Bergungseinsätze im Ausland" (SEEBA) des Technischen Hilfswerks (THW), am Dienstagabend in die Türkei in Marsch gesetzt, konnte am Mittwochmorgen schon den ersten Erfolg an die Bonner Zentrale melden: Eine "Lebend-Bergung" aus den Trümmern eines Hauses in der 200 000-Einwohner-Stadt Bekirpasa am Rande von Izmit.

Die SEEBA-Helfer sind darauf gedrillt, schnell zu arbeiten. Kaum irgendwo gelandet, sollen sie praktisch aus dem Stand damit beginnen können, nach Opfern zu suchen und sie auch zu retten. Die Ausrüstung steht, in zahlreiche Aluminiumkisten verpackt, zum sofortigen Transport auch mit normalen Verkehrsflugzeugen bereit. Bis zu zehn Tage lang sollen sich die Mitglieder der Einsatztrupps selbst verpflegen können. Die Einheit wurde 1986 nach den Erfahrungen des schweren Erdbebens in Mexiko ein Jahr zuvor gegründet und erlebte den Ernstfall unter anderem bei den Erdbeben 1988 in Armenien und im März 1992 in Erzincan in der Türkei. Dort konnten die Helfer nur noch Tote bergen.

Neben dieser ganz speziellen Hilfe werden von den Hilfsorganisationen vor allem Medikamente, Blutplasma, Wasseraufbereitungsanlagen, Ortungs- und Räumgeräte in die Region geflogen. DRK-Sprecherin Anger bat im Saarländischen Rundfunk dringend darum, Blut zu spenden, damit die Reserven aufgefüllt werden könnten. Das DRK schickte nach eigenen Angaben aus Mazedonien ein Feldhospital mit 150 Betten auf den Weg nach Istanbul. Am Donnerstag wollte das DRK weitere Helfer sowie weiteres medizinisches Material, Medikamente, Decken und Zelte in das Erdbebengebiet schicken. Bei der eigens eingerichteten Auskunftsstelle des DRK-Suchdienstes riefen bis Mittwochnachmittag über 400 türkische Mitbürger und Angehörige deutscher Urlauber an, die sich um Verwandte und Freunde sorgten.

Nach Angaben der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) sind im Krisengebiet oft Straßen, Wasserleitungen, Strom- und Telefonverbindungen unterbrochen. Tausende Menschen sind obdachlos geworden, so dass es auch an Decken und Unterkünften fehlt. Noch, hieß es, sei zwar das Wetter gut. Aber auch das könnte sich bald ändern.

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