Welt : Berichterstattung in den USA: Gerüchte, Hysterie und falsche Hoffnung

Friedemann Diederichs

Zum Thema Online Spezial: Terror gegen Amerika
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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Es war zunächst ein Gerücht, das in New York dann umgehend den Rang einer offiziellen Meldung erhielt, die Feuerwehrleute weinen ließ: Fünf Feuerwehrmänner seien, weitgehend unversehrt und in einem Geländewagen der Marke Chevrolet zusammengepfercht, nach über 50 Stunden aus den Trümmern des World Trade Centers befreit worden. Doch die Freude über die sensationelle Rettung währte nur kurz: Die Fernsehanstalten waren einer "Ente" aufgesessen und hatten auch - im Rennen um die schnellste Verbreitung - keinerlei Zeit für Rückfragen verwendet. "Ich möchte alle Journalisten bitten, sorgfältig zu arbeiten und die Quellen von Nachrichten zu verifizieren." Mit diesen Worten erteilte New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani in einer eilends anberaumten Pressekonferenz den Medienvertretern einen gewaltigen Rüffel. Denn kurz zuvor hatte sich ebenfalls heraus gestellt, dass am Vorabend auf den meisten Fernsehkanälen und in den Morgenzeitungen verbreitete Meldungen über einen erneuten Entführungsversuch einer Maschine am JFK-Flughafen auf waghalsigen Interpretationen der Reporter beruhten. Zwar hatten Eliteeinheiten den Jet gestürmt und mehrere Personen abgeführt. Doch dann hieß es, man habe alle freilassen müssen. Man möge sich im Kreis der Medienvertreter beruhigen, forderte Senator Joseph Biden die Berichterstatter auf.

Viele Reporter haben dazu jetzt ausreichend Zeit: Sie verbringen sie in Polizeizellen. Die Berichterstatter hatten sich im Konkurrenzkampf um die besten Fotos als Feuerwehrmänner, Polizisten und technische Helfer verkleidet und waren aufgefallen, weil sie nur mit ihren Kameras hantierten.

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