Berlin nimmt Abschied : Party für Harry Potter

Fanklubmitglieder aus ganz Deutschland feierten in Berlin die Mitternachtspremiere des letzten Kinofilms. An ihrer eigenen Online-Zauberschule geht das magische Leben weiter.

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Wer beim Abschiedsmarathon lange aushalten will, muss sich gesund ernähren. Da hilft Orangensaft sicherlich besser als Bier. Ist ja nicht überall WM-Schallala.Alle Bilder anzeigen
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13.07.2011 18:55Wer beim Abschiedsmarathon lange aushalten will, muss sich gesund ernähren. Da hilft Orangensaft sicherlich besser als Bier. Ist...

Kurz nach zwei Uhr früh kam Saskia Preissner, die 25-jährige Gründerin des Harry-Potter-Fanklubs aus Berlin, am Mittwoch zufrieden aus dem Kino: „Besser als erwartet“ fand sie den achten und letzten Film nach den Romanen von Joanne K. Rowling. Eigentlich hatte Saskia damit gerechnet, dass sich „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ nur als atemloser Action-Reigen erweisen würde.

Doch neben dem großen Showdown zwischen dem Zauberschüler und dem finsteren Lord Voldemort gab es zur Freude der Fans auch leise Zwischentöne und hintergründige Szenen. An ein paar Stellen konnten die Besucher der Mitternachtspremiere im Cinestar im Sony-Center sogar noch einmal lachen – so wie es einst bei den unbeschwerteren ersten Filmen der Reihe üblich gewesen war.

Zum Finale der Fantasy-Saga hatten Fans noch einmal alles gegeben. Bereits am Montagabend und Dienstagmorgen hatten zwei Berliner Kinos Marathonvorführungen aller acht Filme gestartet, die inklusive Pausen bis zu 27 Stunden dauerten. Der seit elf Jahren bestehende Fanklub feierte seine Party dagegen erst in der Nacht zu Mittwoch – dafür aber besonders stimmungsvoll mit aufwändigen Kostümen und einer „Fan-Fiction“-Lesung aus dem inoffiziellen Band acht, den Saskia und andere Klubmitglieder gerade als Fortsetzung der Reihe schreiben. Aus ganz Deutschland waren rund 50 der weltweit etwa 100 000 Mitglieder gekommen, die im Netz unter www.hp-fc.de ein virtuelles Zauberinternat Hogwarts am Laufen halten.

Dass sich nicht nur junge Leute für die magische Welt begeistern, bewies der 56-jährige Bibliothekar Reinhard Menken, der eigens aus Bochum angereist war. Er ist seit drei Jahren im Klub aktiv und Chefredakteur des auf der Webseite veröffentlichten „Tagespropheten“. Obwohl Menken auch andere Fantasy-Werke wie Tolkiens „Herrn der Ringe“ schätzt, bleibt Harry Potter für ihn etwas Besonderes: „Der Reiz liegt darin, dass alles eigentlich in unserer Welt spielt – nur dass es eben Zauberer gibt.“ Nicht nur Menken zeigte sich überzeugt davon, dass der Fanclub durch das abwechslungsreiche Online-Schulleben und das Gemeinschaftsgefühl anziehend bleiben wird.

Silke Rohlfs aus Mönchengladbach betonte, es gehe gar nicht immer nur um Spaß. Die 31-jährige Köchin ist seit 2004 im Club und Lehrerin für „Eulenkunde“. Darüber hinaus gebe es aber auch Mathematikunterricht und Computerschulungen – und damit Hilfe für junge Mitglieder, die Probleme an ihrer echten Schule haben. Am clubeigenen Hogwarts „lernt man auch für die Realität“, fand Rohlfs, die bald Mutter wird. Vielleicht auch deshalb reiche das Alter der Mitglieder „von acht bis über 60 Jahre“.

Wie der Held bei den Fans weiterlebt, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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