Welt : Berlin sucht einen Draht zum Internet

Andere Städte sind beim Gratiszugang viel weiter

Carolin Jenkner

Berlin - Das kleine St. Gallen ist weltweit führend: Im März bekommen die Bürger der Schweizer Stadt ihr eigenes frei zugängliches und kostenloses WLAN-Netzwerk. Dann können sie nahezu überall in der Stadt drahtlos und kostenfrei im Internet surfen. Dafür müssen sie sich lediglich einen WLAN-Router und eine spezielle Firmware kaufen, und schon können sie in allen Straßen und Plätzen der Stadt kostenlos das Internet nutzen. San Francisco zieht nach: Innerhalb der kommenden anderthalb Jahre soll jeder Einwohner der kalifornischen Stadt im Netz sein. Auch Los Angeles, St. Gallen und Zürich planen kommunale WLAN-Netze.

Heidelberg ist die erste deutsche Stadt mit einem eigenen WLAN-Funknetz. Allerdings wurde das Netz hier nicht für die Bürger eingerichtet, sondern für Touristen. Sie können mit Handy oder Computer in der Altstadt laufend Informationen über Sehenswürdigkeiten, Hotels und Restaurants abrufen. In diesem Jahr sollen noch ein paar Lücken geschlossen werden, dann können auch Altstadtbewohner, die einen WLAN-fähigen Computer besitzen, das Netzwerk kostenlos nutzen – zunächst. Denn ob der Service gebührenfrei bleibt, steht noch nicht fest.

Die Berliner werden auf ihr eigenes Stadtnetz wohl noch ein bisschen warten müssen. Ein Sprecher der Wirtschaftsverwaltung sagte gestern: „Ja, es wird darüber nachgedacht und es gibt Gespräche mit Firmen.“ Über ungelegte Eier wolle man aber nicht sprechen. Kleiner Trost: In München ist ein kommunales WLANNetz noch überhaupt nicht geplant, in Hamburg nur in der neuen Hafen-City.

Als Vorbild für deutsche Städte könnte das Ausland dienen. Für die Finanzierung und Organisation der Stadtnetze gibt es bislang unterschiedliche Konzepte: In St. Gallen ist die Stadt Eigentümer des Netzes. Das Organisations- und Informatikamt der Stadt, die Stadtwerke, die Hochschule und die Studentenschaft der Universität haben die Einrichtung des Netzes gefördert. Vier Sendeanlagen werden in der Stadt errichtet und schaffen eine Grundversorgung für nahezu alle Einwohner.

Ein anderes Modell startet die Schweizer Stadt Luzern. Zwar ist das Netz hier auch offen und für jeden zugänglich. Gleichzeitig können aber alle Diensteanbieter der Telekommunikationsbranche die Hotspots mieten und den Kunden zu ihren Tarifen anbieten.

San Francisco kooperiert mit dem Anbieter Earthlink und dem Suchmaschinenanbieter Google. Earthlink wird ein Testnetz aufbauen, das in den kommenden anderthalb Jahren auf die ganze Stadt ausgeweitet wird. Der kostenlose Zugang soll eine Bandbreite von 300 Kilobit in der Sekunde bieten. Für etwa 20 Dollar im Monat gibt es einen schnelleren Zugang. Google soll „innovative neue Anwendungen und Dienste“ beisteuern. Los Angeles will das Netz teilweise durch Werbung finanzieren. An Ideen und Anregungen aus dem Ausland fehlt es also nicht.

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