Welt : Berlin wäre nicht geschützt

Vorfälle wie in Frankfurt können sich immer wieder ereignen

Rainer W. During

Auch über Berlin könnte ein gestohlenes oder entführtes Flugzeug jederzeit für Panik sorgen. Ein Fall, wie er sich am Sonntag in Frankfurt am Main ereignete, ist auch in der Hauptstadt nicht zu verhindern. In Hessen gelang es, den Piloten zur Landung zu überreden. Ein zu allem entschlossener Gewalttäter ist dagegen kaum zu stoppen. Selbst wenn die Luftwaffe mit ihren Abfangjägern nach kurzer Zeit zu Stelle ist, kommt ein Abschuss über dem dichtbesiedelten Stadtgebiet kaum in Betracht und gilt bei den Militärs auch nicht als zweckmäßig.

Drei Alarmrotten mit je zwei Phantom-Kampfflugzeugen stehen rund um die Uhr in Alarmbereitschaft. Frühestens in 25 Minuten könnten so die Abfangjäger Berlin erreichen. Es sei auch in Frankfurt nicht um einen möglichen Abschuss gegangen, sondern darum, „Präsenz zu zeigen und handlungsfähig zu sein", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Eine auf einem der Flugplätze im Berliner Umland gestartete Maschine wäre bis zum Eintreffen der Militärjets ohnehin längst über dem Berliner Zentrum. Und würde hier zunächst kaum auffallen, denn weite Teile des Stadtgebietes dürfen in einer Mindesthöhe von 300 Metern auch von kleinen Sportflugzeugen überflogen werden. Die Piloten müssen sich nur beim Tempelhofer Kontrollturm anmelden, so starten insbesondere an den Wochenenden zahlreiche Hobbypiloten zu luftigen Sightseeing-Touren. Im Gegensatz zu den großen Verkehrsflughäfen sind die kleinen Sportflugplätze in Brandenburg - wie auch in allen anderen Bundesländern - kaum geschützt. Eine regelmäßige Bewachung findet nicht statt, oft gibt es nicht einmal einen Zaun. Für einen Vereinsflugplatz reichen auch ein paar Hinweisschilder. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA suchten Polizeibeamte die Luftsportclubs auf und gaben Sicherheitsratschläge. Doch größere Diebstahlssicherungen als für geparkte Autos gibt es hier nicht. Die Kleinflugzeuge werden abgeschlossen und meist in Flugzeuggaragen - verschließbaren Hallen - untergestellt. Da haben Täter leichtes Spiel. Außerdem kann jeder eine Maschine chartern.

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